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Schmunzelfaktor Übertreibung

Aufgabe: Beschreiben Sie eine Person beim Hausputz und fügen Sie dabei gezielt Übertreibungen in deren Gedanken oder Worte ein, z.B. könnte sich die Figur darüber beklagen, dass es einfacher wäre, den Mount Everest abzutragen, aber die Müllberge ihrer Kinder zu entsorgen.

Ziel: Manchmal kommt man nicht umhin, völlig alltägliche Handlungen zu beschreiben. Dann kann es helfen, durch gezielte Übertreibungen den Leser zum Schmunzeln zu bringen, und so kann eine potentiell langweilige Szene plötzlich sehr viel Spaß machen.

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Perspektiven

Aufgabe: Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein Polizist verfolgt auf der Straße einen Mann, der zuvor einen Überfall begangen hat. Als ihm der Verfolger zu dicht auf die Pelle rückt, nimmt der Kriminelle eine Geisel. Dieser Vorfall wird von einem Augenzeugen beobachtet. Versuchen Sie nun, sich in jeweils eine der vier Figuren hineinzuversetzen. Was sieht sie, was weiß sie, was fühlt sie, was denkt sie? Beschreiben Sie dies in einer jeweils für den Charakter spezifischen Szene.

Ziel: Szenen können ungemein gewinnen, wenn man vorher genau festlegt, aus wessen Sicht sie geschildert werden. Ein Charakter ist nicht so allwissend wie der Autor, und daraus kann man ein großes Maß an Spannung beziehen. Schwierig ist aber manchmal, die Perspektive streng einzuhalten, und dies soll diese Übung schulen. Hilfreich ist, Folgendes zu beachten: Jeder Mensch und damit auch jede Romanfigur besitzt ein ganz spezifisches Wissen und eine charakteristische Psychologie. Man denkt und spricht von sich selbst nicht in der dritten Person, und auch der Gebrauch von Metaphern ist mit Vorsicht zu genießen, denn man kommentiert seine eigenen Handlungen selten selbst auf eine derartige Weise. Informationen, die eine Figur nicht besitzt, kann man in einer Szene nur dann unterbringen, wenn der Charakter sie handelnd entdeckt oder sie ihm von anderen Romancharakteren zugetragen werden.

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Dialoge – die hohe Kunst

Aufgabe: Schreiben Sie einen konfliktreichen Dialog zwischen zwei Charakteren, der möglichst interessant ist und lebensecht wirkt.

Ziel: Dies ist eine schwere Aufgabe. Dialoge in Romanen gleichen nicht in allen Aspekten Gesprächen, die wir aus dem Alltag kennen, da sie viel stärker zielorientiert sind, allerdings gibt es doch viele Überschneidungen.

Hier noch ein paar Tipps, worauf man bei einem gelungenen Dialog achten sollte:

- Dialoge haben immer ein Ziel, z.B. Informationen geben, Charaktere im Zusammenspiel beschreiben, Probleme aufwerfen oder lösen, Strategien planen etc.
- Dialoge sollten immer konflikthaft sein.
- Sprachliche Mittel wie Bilder, Wertungen und Übertreibungen auch in Dialogen nutzen.
- Indirektheit anwenden, denn auch im echten Leben wird selten alles direkt ausgesprochen, z.B. „Er schaut sich die Radieschen von unten an“ statt „Er ist tot“.
- Eigenarten und Charakterzüge der Personen müssen gerade im Dialog erkennbar sein.

Zusatzmaterial: Indirektheit

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Charakterkonzeption

Aufgabe: Überlegen Sie sich einen Charakter, dessen Handeln, Denken und Fühlen von einem starken Konflikt bestimmt wird, z.B. ein Junge, der seinen Vater einerseits tief verehrt, sich aber andererseits stets von ihm bevormundet und wenig beachtet fühlt oder ein Mädchen, das gern Naturwissenschaften studieren möchte, während alle Menschen in ihrem persönlichen Umfeld diese Idee für seltsam halten.

Alternative: Falls Sie schon eigene Geschichten geschrieben haben und bislang noch nicht darauf geachtet haben, ob Ihr Protagonist einen Konflikt besitzt oder nicht, können Sie auch Ihren eigenen Helden betrachten und überprüfen, inwieweit er konflikthaft konzipiert ist oder welches Potential er dazu bietet.

Ziel: Konfliktreiche Charaktere sind für jede Geschichte das Salz in der Suppe, da der Konflikt es einem leicht macht, spannungsgeladene Szenen zu schreiben, und nicht zuletzt ist es ein gequälter Held, mit dem der Leser mitfiebert. Diese Übung dient dazu, sich einmal bewusst zu machen, welche möglichen Grundkonflikte es gibt, wobei hier gleich gesagt werden muss, dass es nahezu unendlich viele Möglichkeiten gibt, wie ein Charakter mit sich selbst und anderen im Clinch liegen kann.

Download der Übung als PDF: Charakterkonzeption 1

Zusatzmaterial: Protagonist, Charakterbogen

Charakterkonzeption 2

Aufgabe: Nachdem Sie in Übung „Charakterkonzeption 1“ einen konfliktbehafteten Protagonisten kreiert haben, versuchen Sie zu skizzieren, wie sich der Konflikt im Laufe der Geschichte immer weiter verschärfen könnte. So kann z.B. der Konflikt zwischen Vater und Sohn immer weiter eskalieren (etwa von einfachen Streits bis hin zu tätlichen Auseinandersetzungen). Überlegen Sie auch, wie der Konflikt auf einen Höhepunkt getrieben werden und wie eine mögliche Lösung aussehen könnte. Gehen Sie dabei nach folgendem Schema vor:
Konflikt wird angestoßen → 1. Steigerung → 2. Steigerung → … → Konflikthöhepunkt → Lösung

Ziel: Diese Übung kann man als gedankliche Hilfe verwenden, um den groben Ablauf eines Romans noch vor Beginn des eigentlichen Schreibens im Blick zu haben. Natürlich heißt das nicht, dass man sich sklavisch an ein einmal aufgestelltes Konzept halten muss (die Protagonisten haben ohnehin oft genug ihren eigenen Kopf), dennoch ist das Schema hilfreich, um die Entwicklung der Figuren stets im Blick zu behalten und ihre Entwicklung psychologisch stimmig vorantreiben zu können.

Download der Übung als PDF: Charakterkonzeption 2

Zusatzmaterial: Protagonist

Vorstellung meines Charakters

Aufgabe: Nachdem Sie in Übung „Charakterkonzeption 1“ einen konfliktbehafteten Protagonisten kreiert haben, versuchen Sie, eine Szene zu schreiben, in der Sie dem Leser Ihren Helden vorstellen. In einem Roman wäre dies meist die erste Szene oder zumindest eine sehr frühe Szene. Achten Sie dabei darauf, dass Sie dem Leser Ihre Gedanken, die Sie sich zu Ihrer Figur gemacht haben, nicht direkt verraten, sondern versuchen Sie, Handeln, Gedanken und Gefühle des Protagonisten so zu gestalten, dass der Leser auf diese Weise einen Eindruck von ihm bekommt.

Ziel: Wer schon einmal versucht hat, eine Geschichte zu schreiben, weiß, wie schwer der Anfang ist. Es gibt so viel, was man erzählen möchte oder meint, sofort erklären zu müssen. Da mag es helfen, wenn man sich erst einmal auf seine Hauptfigur konzentriert und als erstes Ziel anpeilt, sie dem Leser vorzustellen. Und natürlich geht es hier auch um Indirektheit, denn der Leser soll keine Charakteranalyse vorgesetzt bekommen, sondern die Figur selbst entdecken.

Download der Übung als PDF: Charakterkonzeption 3
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Susanne Gavénis

Susanne Gavénis

Wenn Sie mehr über mich erfahren möchten, erzähle ich Ihnen gern von meinem Leben, und warum ich schreibe. Natürlich können Sie auch Kontakt mit mir aufnehmen oder Bücher mit persönlicher Widmung bestellen. Vielen Dank.