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Grundlagen der Konzeption 1: Prämisse auswählen

Die Prämisse ist der rote Faden der Geschichte. Sie ist eine Behauptung bzw. eine These, die es mit der Geschichte zu beweisen gilt. Eine Prämisse ist komplexer als die Pointe einer Kurzgeschichte, da sie nicht sachbezogen, sondern personenbezogen ist.

Die Pointe einer Kurzgeschichte könnte z.B. lauten: Technik ist zerstörerisch. Hier taucht keine Person auf bzw. Personen werden typisiert dargestellt.

Eine entsprechende Prämisse könnte dagegen heißen: Zu sehr auf Technik zu vertrauen, führt zum Untergang.

Das zentrale Element in dieser Prämisse ist das Wort „vertrauen“. Vertrauen können nur Protagonisten, also lebende Wesen mit ganz spezifischen Gedanken und Gefühlen, meist natürlich Menschen (obwohl es auch wunderbare Katzengeschichten u.ä. gibt), und im Vertrauen liegt auch Konfliktpotential, da Vertrauen auch enttäuscht werden kann. Die Prämisse ist daher direkt mit dem Protagonisten verknüpft und sie gibt letztlich vor, in welche Richtung sich die Hauptfigur entwickeln muss und natürlich auch, von welchem Punkt die Entwicklung startet. Aus der Prämisse ergibt sich somit der 2. Punkt der Grundkonzeption, die Entwicklung von Pol zu Pol.

Grundsätzlich können unterschiedliche Figuren in einer Geschichte auch unterschiedliche Prämissen besitzen, aber die Prämissen der Nebenfiguren sollten der Prämisse der Hauptfigur immer untergeordnet sein. Es wäre z.B. höchst verwirrend für den Leser, wenn die Hauptfigur gemäß der oben genannten Prämisse scheitert, während eine wichtige Nebenfigur in der Geschichte für sich die Prämisse „Auf Technik zu vertrauen führt zum Erfolg“ erfüllt.

Aufgabe:

Formulieren Sie verschiedene positive bzw. negative Prämissen.

Zielpunkte für positive Prämissen wären z.B. Erfolg, Liebe, Glück, Sieg, Zufriedenheit etc.

Zielpunkte für negative Prämissen wären z.B. Misserfolg, Unglück, Verlust, Unzufriedenheit, Untergang, Vernichtung etc.

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Grundlagen der Konzeption 2: Entwicklung von Pol zu Pol

Die Prämisse bestimmt also, wohin die Reise geht. Die Prämisse „Zu sehr auf Technik zu vertrauen, führt zum Untergang“ kann man natürlich nur erfüllen, wenn der Protagonist eine ganz spezifische Beziehung zur Verwendung von Technik besitzt. Es macht bei dieser Prämisse keinen Sinn, eine Figur zu entwerfen, die zu Beginn der Geschichte ein klarer Technikgegner ist und sich im Laufe der Zeit zu einem Technikliebhaber entwickelt. Zu so einer Entwicklung würde mehr die Prämisse „Angemessen auf Technik zu vertrauen, führt zum Erfolg“ passen.

Unser Protagonist muss also ein Technikliebhaber sein, und er darf Technik nicht hinterfragen, sondern müsste ihr uneingeschränkt vertrauen, all dies, weil er bislang niemals negative Erfahrungen im Umgang mit Technik gemacht hat. Dies wäre der erste Pol, der Startpunkt des Charakters in der Geschichte.

Im Laufe der Geschichte müsste er dann mit Situationen konfrontiert werden, die ihm immer wieder vor Augen halten, dass sein Vertrauen in die Technik problematisch, ja sogar gefährlich ist, doch er wird nicht in der Lage sein, aufgrund dieser neuen Erfahrungen seine Einstellung zu ändern, was letztlich in eine Katastrophe mündet (z.B. die Kernschmelze in einem Atomkraftwerk aufgrund seines mangelnden Einschätzungsvermögens).

Dies ist der zweite Pol: Trotz vielfacher Erfahrungen, die ihn eigentlich dazu hätten anhalten müssen, sein uneingeschränktes Vertrauen in die Technik zu hinterfragen, hält er an seinem Vertrauen fest und scheitert genau deshalb in einer entscheidenden Situation.

Hier sieht man, dass die Entwicklung von Pol zu Pol bereits eine erhebliche Arbeit bezüglich der genauen Konzeption des Charakters erfordert, dies ist Punkt 3 der Konzeption.

Zudem kann man an der Beschreibung dieser beiden Pole bereits erahnen, dass durch die Prämisse und die Entwicklung von Pol zu Pol auch bereits der Rahmen, in dem sich die Geschichte bewegen wird, abgesteckt ist – dies ist der 4. Punkt der Konzeption, das Stufenkonzept.

Aufgabe:

Beschreiben Sie die Entwicklung der Hauptfigur von Pol zu Pol für folgende Prämissen:

- Auf sich selbst zu vertrauen führt zum Erfolg / Glück / Sieg.

- Eigene Entscheidungen zu treffen führt zum Erfolg / Glück / Sieg.

- Seinem eigenen Weg zu folgen führt zum Erfolg / Glück / Sieg.

- Starr an eigenen Meinungen festzuhalten führt zum Misserfolg / Unglück / Niederlage / Untergang.

- Arroganz führt zum Misserfolg / Unglück / Niederlage / Untergang.

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Grundlagen der Konzeption 3: Charakterbiografie erstellen

Grundzüge des Charakters wurden bereits durch die Entwicklung von Pol zu Pol abgesteckt, in der Biografie muss man zu diesen groben Eckpunkten den Feinschliff hinzufügen. Dabei sollten folgende Fragen wichtig sein:

1. Welche grundlegenden Einstellungen besitzt der Charakter?

Dies ergibt sich meist direkt aus der Prämisse und der Entwicklung von Pol zu Pol.

2. Warum besitzt er diese Einstellungen? Welche Ereignisse in seiner Vergangenheit haben sie ihm eingeprägt?

Es geht hier also darum, Schlüsselereignisse in der Biografie eines Protagonisten zu formulieren. Bei unserem Beispiel könnten das Erlebnisse des Charakters sein, die ihn Technik als absoluten Problemlöser und Heilsbringer haben erleben lassen. Ob diese Ereignisse in der Geschichte direkt oder nur aus der Retrospektive beschrieben werden, muss man dann später noch entscheiden, doch der Autor muss diese Ereignisse kennen, damit er den Charakter durchgängig stimmig beschreiben kann.

3. Welches Umfeld besitzt der Charakter?

Darüber muss man sich bei der Formulierung der Biografie ohnehin Gedanken machen. Gemeint sind hier vor allem alle Aspekte des menschlichen Zusammenlebens, die auf den Charakter einwirken, also die Einflüsse anderer Menschen (Familie, Freunde, Kollegen etc.), seine gesellschaftliche Stellung, die Beschaffenheit der Gesellschaft, Religion oder ihr Fehlen, Reichtum oder Armut, Ideologien, Technologie und ihre Bedeutung in der Gesellschaft, historische Einbettung etc.. Nicht jedes Umfeld eignet sich, wenn man eine bestimmte Prämisse verfolgen möchte. So kann man die Prämisse „Zu sehr auf Technik zu vertrauen, führt zum Untergang“ relativ schwierig umsetzen, wenn man als Umfeld des Charakters eine Gesellschaft wählt, in der durch Fortschritt und Technik gerade grundlegende Probleme wie Armut, Kindersterblichkeit und Umweltverschmutzung gelöst werden (schwierig, aber nicht unmöglich).

Grundsätzlich kann man sagen, dass man für die Beantwortung dieser Fragen eine Menge Hintergrundinformationen über die Welt, die man in seiner Geschichte erschaffen möchte, zusammentragen muss. Besonders über Kernpunkte, die die Prämisse und damit auch den Protagonisten direkt betreffen, muss man sich als Autor selbst im Klaren sein. Man muss also klären, wie die Welt und die Gesellschaft, in der der Charakter lebt, strukturiert sind, welche Naturgesetze (oder magische Gesetze) es gibt und welche grundsätzlichen Möglichkeiten diese Welt bietet.

4. Welche grundlegenden Konflikte, Ängste, Einschränkungen besitzt der Charakter? Wie groß ist seine Befähigung, mit ihnen umzugehen?

Wie die Fragen schon vermuten lassen, muss man seinen Charakter quasi auf die Psychiater-Couch legen, wobei der Autor die Rolle des Therapeuten besitzt. Um einen Charakter stimmig beschreiben zu können, muss man ein Psychogramm von ihm erstellen, d.h. man muss wissen, was ihn antreibt, wo er zurückzuckt, welche Handlungskapazität er besitzt und welche Grenzen er überwinden kann und welche nicht. Zudem muss man im Blick behalten, wie sich diese Aspekte im Laufe der Geschichte entwickeln und welche Grundzüge des Charakters von der Entwicklung von Pol zu Pol besonders betroffen sind. Hier ist ein gewisses psychologisches Geschick gefragt.

5. Welche Fähigkeiten und Besonderheiten besitzt der Charakter?

Hier geht es um die konkreten Befähigungen des Charakters, bestimmte Arbeiten oder Aufgaben zu erledigen. Kann er z.B. Lesen und Schreiben, kann er zaubern, ist er ein guter Reiter etc.. Wichtig ist natürlich auch, was der Charakter im Vergleich zu Menschen aus seinem Umfeld nicht kann.

6. Wie sieht der Charakter aus? Wie heißt er?

Zum Teil hängt dies bereits mit den Fähigkeiten des Charakters zusammen, ein Spitzen-Athlet z.B. hat nicht nur bestimmte Fähigkeiten, sondern auch einen dazu passenden Körperbau. Aber auch das grundsätzliche Erscheinungsbild des Charakters und nicht zuletzt sein Name sollten zum psychologischen Profil des Charakters passen oder einen interessanten Kontrast schaffen, z.B. ein stiernackiger Hüne mit Namen Ivan, der kleine Glasfiguren erstellt und sich davor fürchtet, mit anderen Menschen zu sprechen, während jeder, der ihn nicht kennt, ihn allein aufgrund seiner körperlichen Größe fürchtet.

Aufgaben:

1. Erstellen Sie für eine Prämisse Ihrer Wahl eine Charakterbiografie. Sie könnendabei die Blätter „Charakterbogen“ und „Protagonist“ als Hilfestellung benutzen. Oft kommt man nicht umhin, sich an dieser Stelle auch einige Gedanken über die Konzeption wichtiger Nebenfiguren zu machen. Grundsätzlich sollten Nebenfiguren dazu dienen, den Konflikt des Protagonisten zu verstärken oder ihm dabei helfen, ihn zu lösen.

2. Überlegen Sie sich, welche Informationen Sie über die Welt geben müssen, in der Ihre Geschichte spielen soll. Bei fantastischen Welten sollte man nicht wahllos alle möglichen Fakten kreieren, sondern immer die Geschichte und den Protagonisten im Blick behalten und sich fragen, wie die Welt beschaffen sein muss, damit man die Geschichte der Hauptfigur bestmöglich erzählen kann. Weniger ist dabei oft mehr.

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Grundlagen der Konzeption 4: Stufenkonzept entwickeln

Wie im echten Leben springt ein Charakter nicht direkt vom ersten Stadium seiner Entwicklung direkt ins letzte Stadium, sondern es erfolgen viele kleine Schritte, die dazwischen liegen. Diese Schritte mögen im echten Leben auch vom Zufall bestimmt sein, in einer Geschichte sollte man sie sorgfältig planen und dabei vor allem darauf achten, eine Steigerung des ursprünglichen Konflikts zu erreichen.

Bei der Prämisse „Zu sehr auf Technik zu vertrauen, führt zum Untergang“ sollte nicht gleich zum Beginn der Geschichte der Fortbestand der Welt auf dem Spiel stehen, sondern es müssten erst kleinere, dann immer schwerwiegendere Probleme daraus entstehen, dass der Protagonist nicht in der Lage ist, sein Vertrauen in die Technik zu hinterfragen, z.B. indem er erst nur seine Freundin versetzt, weil sein Smartphone nicht funktioniert hat, und er ihren Zorn nicht begreift, weil er ihr die Schuld gibt. Später könnte er dann kleinere Fehler im Berufsleben machen und so den Unmut seiner Kollegen auf sich ziehen, im nächsten Schritt werden seine Fehler schlimmer und kosten Geld oder führen zu Verletzungen. Er könnte gefeuert werden oder lügen, um die Schuld auf seine Kollegen abzuwälzen. Erst zum Schluss, wenn ein Großteil seiner sozialen Beziehungen bereits ruiniert ist, könnte man dann auch die große Katastrophe folgen lassen, bei der vielfach Tod und Zerstörung über ihn und die Menschen in seiner Umgebung kommt.

Wichtig ist dabei auch, dass sich nicht nur die äußere Situation des Protagonisten verschärft, sondern er selbst verändert sich permanent durch seine Auseinandersetzung mit seinem Konflikt, und dies beeinflusst wiederum die nächste Stufe der Konfliktsteigerung. Es geht also beim Erstellen eines Stufenkonzepts darum, die inneren und äußeren Faktoren des zentralen Konflikts in ihrer wechselseitigen Beeinflussung zu formulieren.

Doch selbst wenn man diese Planung bereits im Kopf hat, bleibt noch eine wichtige Frage offen: Was beschreibe ich wann und wie? Dies ist der letzte Punkt, das Exposé.

Aufgabe:

Entwickeln Sie ausgehend von Ihrer Charakterbiografie ein Stufenkonzept. Rahmen Sie es durch die Entwicklung von Pol zu Pol ein und versuchen Sie v.a. eine Konfliktsteigerung von einer Stufe zur nächsten zu erreichen, d.h. anfangs betrifft die Situation womöglich nur den Protagonisten selbst, bei der nächsten Stufe gibt es negative Auswirkungen auf von ihm geliebte Menschen, dann auf ein ganzes Dorf etc.

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Grundlagen der Konzeption 5: Exposé schreiben

Ein Exposé ist eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Stufen der Geschichte, die tatsächlich konkret in Szenen umgesetzt werden sollen.

Grundsätzlich beginnt man eine Geschichte kurz vor der eigentlichen Geschichte, genauer, kurz vor dem tatsächlichen Akutwerden des zentralen Konflikts des Protagonisten.

Dieses Vorspiel dient dazu, dem Leser den Protagonisten erst einmal nahezubringen, man nennt das auch Charakterexposition. Hier muss man dem Leser so viele Informationen über den Protagonisten geben, dass der Leser ein Gefühl dafür bekommt, wie die Hauptfigur „tickt“, der Leser muss also ungefähr einschätzen können, wie sich der Charakter in künftigen Situationen verhalten wird. Besonders Schwächen des Charakters sollte man hier bereits spürbar machen, so dass der Leser den Grundkonflikt des Charakters bereits erahnen kann, bevor er initiiert wird. Am besten gelingt dies oft, wenn man den Protagonisten mit anderen wichtigen Personen der Geschichte interagieren lässt und Szenen schafft, in denen er sich im Handeln, Fühlen und Denken von den anderen Personen der Geschichte absetzt.

Anschließend muss man sich überlegen, durch welche Situation der Grundkonflikt aktiviert wird. Wenn der Protagonist in unserem Beispiel nie mit fehlerhafter oder problematischer Technik konfrontiert wird, wird sein Konflikt niemals angestoßen werden und es wird keine Entwicklung geben. Die Wahl dieser Konfliktzündung ist nicht immer leicht, denn sie begründet ja den Beginn der Entwicklung und muss daher noch Luft nach oben lassen, was die Schwere und Konsequenz des Konflikts betrifft, aber der Leser muss dennoch bereits jetzt spüren, dass der Protagonist vor ein durchaus ernst zu nehmendes Hindernis gestellt wird.

Was folgt, ist die konkrete Umsetzung des Stufenkonzepts, also die Steigerung der Problemsituationen bis hin zur finalen Stufe im Detail. Folgt man diesem Schritt, bekommt man ein Exposé für seine Geschichte, das dann sozusagen das Grundgerüst für den Verlauf der Geschichte vorgibt.

Aufgabe:

Schreiben Sie ein Exposé für Ihre Geschichte. Dabei geht es noch nicht darum, einzelne Szenen festzulegen oder genau zu bestimmen, was man wie schreibt, sondern das Exposé legt den groben Handlungsstrang fest, dem die Geschichte folgen soll.

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Grundlagen der Konzeption – Zusatz: Szenenexposés

Um einzelne Szenen besser in den Griff zu bekommen und tatsächlich zu klären, was man wie schreibt, bietet es sich an, Exposés für einzelne Szenen zu schreiben und dabei folgende Fragen als Leitlinien zu benutzen:

 

Welche Informationen sollen dem Leser gegeben werden?

Welche Bedeutung haben diese Informationen innerhalb der Gesamtgeschichte?

Müssen diese Informationen unbedingt an dieser Stelle gegeben werden?

 

Grundsätzlich gilt, dass jede Szene ein konkretes Ziel besitzen sollte. Solche Ziele könnten sein:

Einzelheiten der Welt dem Leser nahebringen.

Charaktere vorstellen und/oder ihre Beziehung zueinander aufzeigen.

Das Umfeld des Protagonisten beleuchten etc.

Eine Szene, die kein Ziel verfolgt, ist eine überflüssige Szene und kann gestrichen werden.

Aufgaben

1. Schreiben Sie ein Szenen-Exposé für einen Charakter, der dem Leser als schüchterner Junge vorgestellt werden soll, der sehr unter seinem dominanten und herrischen Vater leidet.

2. Schreiben Sie ausgehend von Ihrem in Aufgabe 1 erstelltem Exposé die entsprechende Szene und vergleichen Sie hinterher mit Ihrer Planung.

3. Schreiben Sie ein Exposé für die Szene, in der Sie Ihren Protagonisten (also einen frei von Ihnen wählbaren Charakter) dem Leser vorstellen.

4. Schreiben Sie ausgehend von Ihrem in Aufgabe 3 erstelltem Exposé die entsprechende Szene und vergleichen Sie hinterher mit Ihrer Planung.

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Charakterkonzeption

Aufgabe: Überlegen Sie sich einen Charakter, dessen Handeln, Denken und Fühlen von einem starken Konflikt bestimmt wird, z.B. ein Junge, der seinen Vater einerseits tief verehrt, sich aber andererseits stets von ihm bevormundet und wenig beachtet fühlt oder ein Mädchen, das gern Naturwissenschaften studieren möchte, während alle Menschen in ihrem persönlichen Umfeld diese Idee für seltsam halten.

Alternative: Falls Sie schon eigene Geschichten geschrieben haben und bislang noch nicht darauf geachtet haben, ob Ihr Protagonist einen Konflikt besitzt oder nicht, können Sie auch Ihren eigenen Helden betrachten und überprüfen, inwieweit er konflikthaft konzipiert ist oder welches Potential er dazu bietet.

Ziel: Konfliktreiche Charaktere sind für jede Geschichte das Salz in der Suppe, da der Konflikt es einem leicht macht, spannungsgeladene Szenen zu schreiben, und nicht zuletzt ist es ein gequälter Held, mit dem der Leser mitfiebert. Diese Übung dient dazu, sich einmal bewusst zu machen, welche möglichen Grundkonflikte es gibt, wobei hier gleich gesagt werden muss, dass es nahezu unendlich viele Möglichkeiten gibt, wie ein Charakter mit sich selbst und anderen im Clinch liegen kann.

Download der Übung als PDF: Charakterkonzeption 1

Zusatzmaterial: Protagonist, Charakterbogen

Charakterkonzeption 2

Aufgabe: Nachdem Sie in Übung „Charakterkonzeption 1“ einen konfliktbehafteten Protagonisten kreiert haben, versuchen Sie zu skizzieren, wie sich der Konflikt im Laufe der Geschichte immer weiter verschärfen könnte. So kann z.B. der Konflikt zwischen Vater und Sohn immer weiter eskalieren (etwa von einfachen Streits bis hin zu tätlichen Auseinandersetzungen). Überlegen Sie auch, wie der Konflikt auf einen Höhepunkt getrieben werden und wie eine mögliche Lösung aussehen könnte. Gehen Sie dabei nach folgendem Schema vor:
Konflikt wird angestoßen → 1. Steigerung → 2. Steigerung → … → Konflikthöhepunkt → Lösung

Ziel: Diese Übung kann man als gedankliche Hilfe verwenden, um den groben Ablauf eines Romans noch vor Beginn des eigentlichen Schreibens im Blick zu haben. Natürlich heißt das nicht, dass man sich sklavisch an ein einmal aufgestelltes Konzept halten muss (die Protagonisten haben ohnehin oft genug ihren eigenen Kopf), dennoch ist das Schema hilfreich, um die Entwicklung der Figuren stets im Blick zu behalten und ihre Entwicklung psychologisch stimmig vorantreiben zu können.

Download der Übung als PDF: Charakterkonzeption 2

Zusatzmaterial: Protagonist

Vorstellung meines Charakters

Aufgabe: Nachdem Sie in Übung „Charakterkonzeption 1“ einen konfliktbehafteten Protagonisten kreiert haben, versuchen Sie, eine Szene zu schreiben, in der Sie dem Leser Ihren Helden vorstellen. In einem Roman wäre dies meist die erste Szene oder zumindest eine sehr frühe Szene. Achten Sie dabei darauf, dass Sie dem Leser Ihre Gedanken, die Sie sich zu Ihrer Figur gemacht haben, nicht direkt verraten, sondern versuchen Sie, Handeln, Gedanken und Gefühle des Protagonisten so zu gestalten, dass der Leser auf diese Weise einen Eindruck von ihm bekommt.

Ziel: Wer schon einmal versucht hat, eine Geschichte zu schreiben, weiß, wie schwer der Anfang ist. Es gibt so viel, was man erzählen möchte oder meint, sofort erklären zu müssen. Da mag es helfen, wenn man sich erst einmal auf seine Hauptfigur konzentriert und als erstes Ziel anpeilt, sie dem Leser vorzustellen. Und natürlich geht es hier auch um Indirektheit, denn der Leser soll keine Charakteranalyse vorgesetzt bekommen, sondern die Figur selbst entdecken.

Download der Übung als PDF: Charakterkonzeption 3

Susanne Gavénis

Susanne Gavénis

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