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Wie schreibe ich eine gute Geschichte?

Diese Frage dürfte jeden beschäftigen, der sich ernsthaft mit dem Gedanken trägt, die Figuren, Bilder und Handlungen, die ihm im Kopf herumgeistern, zu Papier zu bringen. Dabei ist aller Anfang schwer, und deshalb habe ich im Laufe meiner Schreib-AG, die ich in meiner Schule anbiete, eine Reihe von Übungen entwickelt, die gezielt bestimmte Aspekte des Schreibens fördern sollen.

In meiner AG sind die Interessen an bestimmten Genres sehr unterschiedlich, einige mögen und schreiben SF und Fantasy, so wie ich selbst, andere wollen Krimis verfassen, wieder andere Liebesgeschichten. Daher sind alle Schreibübungen so angelegt, dass sie nicht nur in einem speziellen Genre funktionieren, sondern allen Hilfestellungen bieten können, die die Faszination des Schreibens für sich entdecken wollen.

Für jede der Übungen habe ich eine Aufgabe formuliert und zudem immer die Zielsetzung beigefügt, die der jeweiligen Übung zugrunde liegt, damit klar ist, welche spezifische Fertigkeit die Übung anspricht.

Sie sind herzlich dazu eingeladen, die Produkte Ihrer Kreativität auf meine Webseite zu stellen, damit ich oder auch andere Besucher der Seite sie kommentieren können.

Grundlagen der Konzeption 1: Prämisse auswählen

Die Prämisse ist der rote Faden der Geschichte. Sie ist eine Behauptung bzw. eine These, die es mit der Geschichte zu beweisen gilt. Eine Prämisse ist komplexer als die Pointe einer Kurzgeschichte, da sie nicht sachbezogen, sondern personenbezogen ist.

Die Pointe einer Kurzgeschichte könnte z.B. lauten: Technik ist zerstörerisch. Hier taucht keine Person auf bzw. Personen werden typisiert dargestellt.

Eine entsprechende Prämisse könnte dagegen heißen: Zu sehr auf Technik zu vertrauen, führt zum Untergang.

Das zentrale Element in dieser Prämisse ist das Wort „vertrauen“. Vertrauen können nur Protagonisten, also lebende Wesen mit ganz spezifischen Gedanken und Gefühlen, meist natürlich Menschen (obwohl es auch wunderbare Katzengeschichten u.ä. gibt), und im Vertrauen liegt auch Konfliktpotential, da Vertrauen auch enttäuscht werden kann. Die Prämisse ist daher direkt mit dem Protagonisten verknüpft und sie gibt letztlich vor, in welche Richtung sich die Hauptfigur entwickeln muss und natürlich auch, von welchem Punkt die Entwicklung startet. Aus der Prämisse ergibt sich somit der 2. Punkt der Grundkonzeption, die Entwicklung von Pol zu Pol.

Grundsätzlich können unterschiedliche Figuren in einer Geschichte auch unterschiedliche Prämissen besitzen, aber die Prämissen der Nebenfiguren sollten der Prämisse der Hauptfigur immer untergeordnet sein. Es wäre z.B. höchst verwirrend für den Leser, wenn die Hauptfigur gemäß der oben genannten Prämisse scheitert, während eine wichtige Nebenfigur in der Geschichte für sich die Prämisse „Auf Technik zu vertrauen führt zum Erfolg“ erfüllt.

Aufgabe:

Formulieren Sie verschiedene positive bzw. negative Prämissen.

Zielpunkte für positive Prämissen wären z.B. Erfolg, Liebe, Glück, Sieg, Zufriedenheit etc.

Zielpunkte für negative Prämissen wären z.B. Misserfolg, Unglück, Verlust, Unzufriedenheit, Untergang, Vernichtung etc.

Download der Übung als PDF: Grundlagen der Konzeption 1

Grundlagen der Konzeption 2: Entwicklung von Pol zu Pol

Die Prämisse bestimmt also, wohin die Reise geht. Die Prämisse „Zu sehr auf Technik zu vertrauen, führt zum Untergang“ kann man natürlich nur erfüllen, wenn der Protagonist eine ganz spezifische Beziehung zur Verwendung von Technik besitzt. Es macht bei dieser Prämisse keinen Sinn, eine Figur zu entwerfen, die zu Beginn der Geschichte ein klarer Technikgegner ist und sich im Laufe der Zeit zu einem Technikliebhaber entwickelt. Zu so einer Entwicklung würde mehr die Prämisse „Angemessen auf Technik zu vertrauen, führt zum Erfolg“ passen.

Unser Protagonist muss also ein Technikliebhaber sein, und er darf Technik nicht hinterfragen, sondern müsste ihr uneingeschränkt vertrauen, all dies, weil er bislang niemals negative Erfahrungen im Umgang mit Technik gemacht hat. Dies wäre der erste Pol, der Startpunkt des Charakters in der Geschichte.

Im Laufe der Geschichte müsste er dann mit Situationen konfrontiert werden, die ihm immer wieder vor Augen halten, dass sein Vertrauen in die Technik problematisch, ja sogar gefährlich ist, doch er wird nicht in der Lage sein, aufgrund dieser neuen Erfahrungen seine Einstellung zu ändern, was letztlich in eine Katastrophe mündet (z.B. die Kernschmelze in einem Atomkraftwerk aufgrund seines mangelnden Einschätzungsvermögens).

Dies ist der zweite Pol: Trotz vielfacher Erfahrungen, die ihn eigentlich dazu hätten anhalten müssen, sein uneingeschränktes Vertrauen in die Technik zu hinterfragen, hält er an seinem Vertrauen fest und scheitert genau deshalb in einer entscheidenden Situation.

Hier sieht man, dass die Entwicklung von Pol zu Pol bereits eine erhebliche Arbeit bezüglich der genauen Konzeption des Charakters erfordert, dies ist Punkt 3 der Konzeption.

Zudem kann man an der Beschreibung dieser beiden Pole bereits erahnen, dass durch die Prämisse und die Entwicklung von Pol zu Pol auch bereits der Rahmen, in dem sich die Geschichte bewegen wird, abgesteckt ist – dies ist der 4. Punkt der Konzeption, das Stufenkonzept.

Aufgabe:

Beschreiben Sie die Entwicklung der Hauptfigur von Pol zu Pol für folgende Prämissen:

- Auf sich selbst zu vertrauen führt zum Erfolg / Glück / Sieg.

- Eigene Entscheidungen zu treffen führt zum Erfolg / Glück / Sieg.

- Seinem eigenen Weg zu folgen führt zum Erfolg / Glück / Sieg.

- Starr an eigenen Meinungen festzuhalten führt zum Misserfolg / Unglück / Niederlage / Untergang.

- Arroganz führt zum Misserfolg / Unglück / Niederlage / Untergang.

Download der Übung als PDF: Grundlagen der Konzeption 2

Grundlagen der Konzeption 3: Charakterbiografie erstellen

Grundzüge des Charakters wurden bereits durch die Entwicklung von Pol zu Pol abgesteckt, in der Biografie muss man zu diesen groben Eckpunkten den Feinschliff hinzufügen. Dabei sollten folgende Fragen wichtig sein:

1. Welche grundlegenden Einstellungen besitzt der Charakter?

Dies ergibt sich meist direkt aus der Prämisse und der Entwicklung von Pol zu Pol.

2. Warum besitzt er diese Einstellungen? Welche Ereignisse in seiner Vergangenheit haben sie ihm eingeprägt?

Es geht hier also darum, Schlüsselereignisse in der Biografie eines Protagonisten zu formulieren. Bei unserem Beispiel könnten das Erlebnisse des Charakters sein, die ihn Technik als absoluten Problemlöser und Heilsbringer haben erleben lassen. Ob diese Ereignisse in der Geschichte direkt oder nur aus der Retrospektive beschrieben werden, muss man dann später noch entscheiden, doch der Autor muss diese Ereignisse kennen, damit er den Charakter durchgängig stimmig beschreiben kann.

3. Welches Umfeld besitzt der Charakter?

Darüber muss man sich bei der Formulierung der Biografie ohnehin Gedanken machen. Gemeint sind hier vor allem alle Aspekte des menschlichen Zusammenlebens, die auf den Charakter einwirken, also die Einflüsse anderer Menschen (Familie, Freunde, Kollegen etc.), seine gesellschaftliche Stellung, die Beschaffenheit der Gesellschaft, Religion oder ihr Fehlen, Reichtum oder Armut, Ideologien, Technologie und ihre Bedeutung in der Gesellschaft, historische Einbettung etc.. Nicht jedes Umfeld eignet sich, wenn man eine bestimmte Prämisse verfolgen möchte. So kann man die Prämisse „Zu sehr auf Technik zu vertrauen, führt zum Untergang“ relativ schwierig umsetzen, wenn man als Umfeld des Charakters eine Gesellschaft wählt, in der durch Fortschritt und Technik gerade grundlegende Probleme wie Armut, Kindersterblichkeit und Umweltverschmutzung gelöst werden (schwierig, aber nicht unmöglich).

Grundsätzlich kann man sagen, dass man für die Beantwortung dieser Fragen eine Menge Hintergrundinformationen über die Welt, die man in seiner Geschichte erschaffen möchte, zusammentragen muss. Besonders über Kernpunkte, die die Prämisse und damit auch den Protagonisten direkt betreffen, muss man sich als Autor selbst im Klaren sein. Man muss also klären, wie die Welt und die Gesellschaft, in der der Charakter lebt, strukturiert sind, welche Naturgesetze (oder magische Gesetze) es gibt und welche grundsätzlichen Möglichkeiten diese Welt bietet.

4. Welche grundlegenden Konflikte, Ängste, Einschränkungen besitzt der Charakter? Wie groß ist seine Befähigung, mit ihnen umzugehen?

Wie die Fragen schon vermuten lassen, muss man seinen Charakter quasi auf die Psychiater-Couch legen, wobei der Autor die Rolle des Therapeuten besitzt. Um einen Charakter stimmig beschreiben zu können, muss man ein Psychogramm von ihm erstellen, d.h. man muss wissen, was ihn antreibt, wo er zurückzuckt, welche Handlungskapazität er besitzt und welche Grenzen er überwinden kann und welche nicht. Zudem muss man im Blick behalten, wie sich diese Aspekte im Laufe der Geschichte entwickeln und welche Grundzüge des Charakters von der Entwicklung von Pol zu Pol besonders betroffen sind. Hier ist ein gewisses psychologisches Geschick gefragt.

5. Welche Fähigkeiten und Besonderheiten besitzt der Charakter?

Hier geht es um die konkreten Befähigungen des Charakters, bestimmte Arbeiten oder Aufgaben zu erledigen. Kann er z.B. Lesen und Schreiben, kann er zaubern, ist er ein guter Reiter etc.. Wichtig ist natürlich auch, was der Charakter im Vergleich zu Menschen aus seinem Umfeld nicht kann.

6. Wie sieht der Charakter aus? Wie heißt er?

Zum Teil hängt dies bereits mit den Fähigkeiten des Charakters zusammen, ein Spitzen-Athlet z.B. hat nicht nur bestimmte Fähigkeiten, sondern auch einen dazu passenden Körperbau. Aber auch das grundsätzliche Erscheinungsbild des Charakters und nicht zuletzt sein Name sollten zum psychologischen Profil des Charakters passen oder einen interessanten Kontrast schaffen, z.B. ein stiernackiger Hüne mit Namen Ivan, der kleine Glasfiguren erstellt und sich davor fürchtet, mit anderen Menschen zu sprechen, während jeder, der ihn nicht kennt, ihn allein aufgrund seiner körperlichen Größe fürchtet.

Aufgaben:

1. Erstellen Sie für eine Prämisse Ihrer Wahl eine Charakterbiografie. Sie könnendabei die Blätter „Charakterbogen“ und „Protagonist“ als Hilfestellung benutzen. Oft kommt man nicht umhin, sich an dieser Stelle auch einige Gedanken über die Konzeption wichtiger Nebenfiguren zu machen. Grundsätzlich sollten Nebenfiguren dazu dienen, den Konflikt des Protagonisten zu verstärken oder ihm dabei helfen, ihn zu lösen.

2. Überlegen Sie sich, welche Informationen Sie über die Welt geben müssen, in der Ihre Geschichte spielen soll. Bei fantastischen Welten sollte man nicht wahllos alle möglichen Fakten kreieren, sondern immer die Geschichte und den Protagonisten im Blick behalten und sich fragen, wie die Welt beschaffen sein muss, damit man die Geschichte der Hauptfigur bestmöglich erzählen kann. Weniger ist dabei oft mehr.

Download der Übung als PDF: Grundlagen der Konzeption 3

Grundlagen der Konzeption 4: Stufenkonzept entwickeln

Wie im echten Leben springt ein Charakter nicht direkt vom ersten Stadium seiner Entwicklung direkt ins letzte Stadium, sondern es erfolgen viele kleine Schritte, die dazwischen liegen. Diese Schritte mögen im echten Leben auch vom Zufall bestimmt sein, in einer Geschichte sollte man sie sorgfältig planen und dabei vor allem darauf achten, eine Steigerung des ursprünglichen Konflikts zu erreichen.

Bei der Prämisse „Zu sehr auf Technik zu vertrauen, führt zum Untergang“ sollte nicht gleich zum Beginn der Geschichte der Fortbestand der Welt auf dem Spiel stehen, sondern es müssten erst kleinere, dann immer schwerwiegendere Probleme daraus entstehen, dass der Protagonist nicht in der Lage ist, sein Vertrauen in die Technik zu hinterfragen, z.B. indem er erst nur seine Freundin versetzt, weil sein Smartphone nicht funktioniert hat, und er ihren Zorn nicht begreift, weil er ihr die Schuld gibt. Später könnte er dann kleinere Fehler im Berufsleben machen und so den Unmut seiner Kollegen auf sich ziehen, im nächsten Schritt werden seine Fehler schlimmer und kosten Geld oder führen zu Verletzungen. Er könnte gefeuert werden oder lügen, um die Schuld auf seine Kollegen abzuwälzen. Erst zum Schluss, wenn ein Großteil seiner sozialen Beziehungen bereits ruiniert ist, könnte man dann auch die große Katastrophe folgen lassen, bei der vielfach Tod und Zerstörung über ihn und die Menschen in seiner Umgebung kommt.

Wichtig ist dabei auch, dass sich nicht nur die äußere Situation des Protagonisten verschärft, sondern er selbst verändert sich permanent durch seine Auseinandersetzung mit seinem Konflikt, und dies beeinflusst wiederum die nächste Stufe der Konfliktsteigerung. Es geht also beim Erstellen eines Stufenkonzepts darum, die inneren und äußeren Faktoren des zentralen Konflikts in ihrer wechselseitigen Beeinflussung zu formulieren.

Doch selbst wenn man diese Planung bereits im Kopf hat, bleibt noch eine wichtige Frage offen: Was beschreibe ich wann und wie? Dies ist der letzte Punkt, das Exposé.

Aufgabe:

Entwickeln Sie ausgehend von Ihrer Charakterbiografie ein Stufenkonzept. Rahmen Sie es durch die Entwicklung von Pol zu Pol ein und versuchen Sie v.a. eine Konfliktsteigerung von einer Stufe zur nächsten zu erreichen, d.h. anfangs betrifft die Situation womöglich nur den Protagonisten selbst, bei der nächsten Stufe gibt es negative Auswirkungen auf von ihm geliebte Menschen, dann auf ein ganzes Dorf etc.

Download der Übung als PDF: Grundlagen der Konzeption 4

Grundlagen der Konzeption 5: Exposé schreiben

Ein Exposé ist eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Stufen der Geschichte, die tatsächlich konkret in Szenen umgesetzt werden sollen.

Grundsätzlich beginnt man eine Geschichte kurz vor der eigentlichen Geschichte, genauer, kurz vor dem tatsächlichen Akutwerden des zentralen Konflikts des Protagonisten.

Dieses Vorspiel dient dazu, dem Leser den Protagonisten erst einmal nahezubringen, man nennt das auch Charakterexposition. Hier muss man dem Leser so viele Informationen über den Protagonisten geben, dass der Leser ein Gefühl dafür bekommt, wie die Hauptfigur „tickt“, der Leser muss also ungefähr einschätzen können, wie sich der Charakter in künftigen Situationen verhalten wird. Besonders Schwächen des Charakters sollte man hier bereits spürbar machen, so dass der Leser den Grundkonflikt des Charakters bereits erahnen kann, bevor er initiiert wird. Am besten gelingt dies oft, wenn man den Protagonisten mit anderen wichtigen Personen der Geschichte interagieren lässt und Szenen schafft, in denen er sich im Handeln, Fühlen und Denken von den anderen Personen der Geschichte absetzt.

Anschließend muss man sich überlegen, durch welche Situation der Grundkonflikt aktiviert wird. Wenn der Protagonist in unserem Beispiel nie mit fehlerhafter oder problematischer Technik konfrontiert wird, wird sein Konflikt niemals angestoßen werden und es wird keine Entwicklung geben. Die Wahl dieser Konfliktzündung ist nicht immer leicht, denn sie begründet ja den Beginn der Entwicklung und muss daher noch Luft nach oben lassen, was die Schwere und Konsequenz des Konflikts betrifft, aber der Leser muss dennoch bereits jetzt spüren, dass der Protagonist vor ein durchaus ernst zu nehmendes Hindernis gestellt wird.

Was folgt, ist die konkrete Umsetzung des Stufenkonzepts, also die Steigerung der Problemsituationen bis hin zur finalen Stufe im Detail. Folgt man diesem Schritt, bekommt man ein Exposé für seine Geschichte, das dann sozusagen das Grundgerüst für den Verlauf der Geschichte vorgibt.

Aufgabe:

Schreiben Sie ein Exposé für Ihre Geschichte. Dabei geht es noch nicht darum, einzelne Szenen festzulegen oder genau zu bestimmen, was man wie schreibt, sondern das Exposé legt den groben Handlungsstrang fest, dem die Geschichte folgen soll.

Download der Übung als PDF: Grundlagen der Konzeption 5

Grundlagen der Konzeption – Zusatz: Szenenexposés

Um einzelne Szenen besser in den Griff zu bekommen und tatsächlich zu klären, was man wie schreibt, bietet es sich an, Exposés für einzelne Szenen zu schreiben und dabei folgende Fragen als Leitlinien zu benutzen:

 

Welche Informationen sollen dem Leser gegeben werden?

Welche Bedeutung haben diese Informationen innerhalb der Gesamtgeschichte?

Müssen diese Informationen unbedingt an dieser Stelle gegeben werden?

 

Grundsätzlich gilt, dass jede Szene ein konkretes Ziel besitzen sollte. Solche Ziele könnten sein:

Einzelheiten der Welt dem Leser nahebringen.

Charaktere vorstellen und/oder ihre Beziehung zueinander aufzeigen.

Das Umfeld des Protagonisten beleuchten etc.

Eine Szene, die kein Ziel verfolgt, ist eine überflüssige Szene und kann gestrichen werden.

Aufgaben

1. Schreiben Sie ein Szenen-Exposé für einen Charakter, der dem Leser als schüchterner Junge vorgestellt werden soll, der sehr unter seinem dominanten und herrischen Vater leidet.

2. Schreiben Sie ausgehend von Ihrem in Aufgabe 1 erstelltem Exposé die entsprechende Szene und vergleichen Sie hinterher mit Ihrer Planung.

3. Schreiben Sie ein Exposé für die Szene, in der Sie Ihren Protagonisten (also einen frei von Ihnen wählbaren Charakter) dem Leser vorstellen.

4. Schreiben Sie ausgehend von Ihrem in Aufgabe 3 erstelltem Exposé die entsprechende Szene und vergleichen Sie hinterher mit Ihrer Planung.

Download der Übung als PDF: Grundlagen der Konzeption 6

 

 

Problematische Beziehungen

Aufgabe: Schreiben Sie eine Szene aus der Sicht einer Figur, die mit einer oder mehreren Personen interagiert. Dabei soll spürbar werden, dass die Beziehung zu den anderen problematisch ist, ohne dass es zum offenen Streit kommt. Trotzdem soll der Leser das Gefühl bekommen, dass zwischen den Figuren Spannungen herrschen, die irgendwann in einen offenen Konflikt münden könnten.

Ziel: Konflikte, Streitereien oder gar körperliche Gewaltausbrüche zwischen Menschen passieren selten unvermittelt, sondern ihnen geht oft eine Phase der allmählichen Steigerung der Spannungen voraus. Diese können sich etwa in spitzen Bemerkungen, Missachtung oder Zurückweisung äußern, die zunächst einmal vom Betroffenen mehr oder weniger klaglos hingenommen werden. Die Schwierigkeit besteht nun darin, auch eine solche Szene so zu schreiben, dass der Leser das Ausmaß des späteren Konflikts darin spürt – und so neugierig darauf wird, wie es mit diesem Konflikt weitergeht. Letztlich besteht das Ziel der Übung also darin, sich zu überlegen, welche Spielarten des Vorgeplänkels bei einem Konflikt bestehen und wie sich diese in einer Szene umsetzen lassen.

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Durch wessen Augen siehst du mich?

Aufgabe: Stellen Sie sich eine Person vor, die Sie beschreiben möchten. Danach versuchen Sie, diese Figur durch die Augen eines Menschen zu sehen, der sie mag, und mit dieser Grundstimmung im Hinterkopf beschreiben Sie die Figur. Anschließend wird die Figur durch die Augen eines Menschen gesehen, der sie nicht ausstehen kann, und die Personenbeschreibung wiederholt.

Ziel: Personenbeschreibungen sind notwendig, damit sich die Leser ein Bild von den Protagonisten einer Geschichte machen können, doch leider wirken sie oft zäh, wenn man nichts weiter tut, als bestimmte Daten abzuklopfen, z.B. ob die Person groß oder klein, blond oder brünett, schlank oder dick ist. Viel interessanter wird es schon, wenn man die Beschreibung mit einer deutlich wahrnehmbaren Wertung versieht.

Jeder kennt vermutlich das Phänomen, dass man ein sympathisches Gegenüber viel wohlwollender wahrnimmt als einen unsympathischen Zeitgenossen. Diese Wertungen auch in eine Geschichte einzubringen, verleiht Personenbeschreibungen mehr Pep und kann sogar für Spannung sorgen, wenn man z.B. den Eindruck vermitteln kann, dass zwei Figuren unweigerlich in Streit geraten werden, sobald sie erst direkt aufeinandertreffen.

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Fantasiereise

Aufgabe: Stellen Sie sich einen Ort vor, der Sie schon immer sehr fasziniert hat und den Sie unbedingt einmal besuchen wollten. Das kann ein tatsächlich existierender Ort oder auch ein Fantasiekonstrukt sein. Versuchen Sie dann, diesen Ort so zu beschreiben, dass ein Leser die Begeisterung und das Staunen, das Sie selbst empfinden, in Ihren Worten spüren kann.

Ziel: Umgebungsbeschreibungen in einem Roman sind wichtig, damit sich die Leser ein Bild davon machen können, wo sich die Protagonisten befinden, doch sie können schnell langweilig werden, wenn man dabei zu sachlich vorgeht. Eine bloße Aneinanderreihung, was wo steht und wie es aussieht, wird von vielen Lesern einfach nur quergelesen, daher ist es wünschenswert, die Aufmerksamkeit der Leser fester zu binden.

Dies kann man erreichen, indem man die nüchterne Objektivität hinter sich lässt und stattdessen die Beschreibung mit Emotionen unterlegt. Dies kann vor allem durch wertende Begriffe geschehen, aber auch dadurch, dass man seine Figur, die den Ort wahrnimmt, entsprechend staunend durch die Umgebung bewegt und nur die Sachverhalte beschreibt, die die Figur auch tatsächlich emotional berühren.

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Spiegelübung

Aufgabe: Stellen Sie sich vor, Ihre Figur steht vor einem großen Spiegel und betrachtet sich selbst darin. Beschreiben Sie, welche Gedanken dem Charakter kommen und welche Gefühle ihn erfüllen, während er sich selbst anschaut. Sie dürfen und sollten dabei ruhig möglichst wertend werden.

Ziel: Möchte man eine Perspektive streng einhalten, so steht man vor einem kleinen Problem, sobald man den Charakter, dessen Perspektive man gewählt hat, beschreiben möchte, denn niemand denkt ständig über sein eigenes Aussehen nach oder rezitiert gar im Kopf eine Personenbeschreibung von sich selbst. Eine Möglichkeit, diese Hürde zu umgehen, besteht darin, die Figur vor einen Spiegel zu stellen, da sie sich dann quasi wie eine andere Person betrachten kann. Allerdings ist es wichtig, immer dicht bei der Figur zu bleiben und nicht einfach nur Daten wie Größe, Gewicht und Haarlänge aneinanderzureihen. Das wirkt aufgesetzt und wird auch schnell langweilig. Viel interessanter ist es doch, eine solche Selbstbetrachtung zu nutzen, um Sorgen, Ängste, Zweifel oder auch Stolz, Selbstbewusstsein oder vielleicht sogar Arroganz einer Figur zu beschreiben. So wird sich etwa ein eingebildeter Pfau, der sich für unwiderstehlich attraktiv hält, bei der Betrachtung seines Spiegelbildes völlig anders geben als ein schüchternes Mädchen, das sich unscheinbar oder gar hässlich fühlt.

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Zimmer & Charakter

Aufgabe: Beschreiben Sie ein Zimmer bzw. eine Wohnung, in dem/der ein Charakter lebt. Versuchen Sie dabei, Besonderheiten des Charakters hervorzuheben, z.B. wird ein fantasieloser Charakter ein anderes Zimmer besitzen als ein Mensch, der sich gern an fantastische Orte träumt.

Ziel: Die Bedeutung dieser Übung liegt darin, eine Figur indirekt zu charakterisieren, ohne dass spezifische Adjektive wie z.B. der Mensch ist sorgfältig, chaotisch etc. benutzt werden müssen. Im Idealfall wird die Beschreibung des Zimmers zur Entdeckungsreise für den Leser, durch die er die Figur besser kennenlernt, wobei es nicht einmal notwendig ist, dass die Figur in der Beschreibung überhaupt enthalten ist.

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Zusatzmaterial: Indirektheit

Waldspaziergang & Stimmungen

Aufgabe: Beschreiben Sie einen Charakter, der einen Waldspaziergang unternimmt. Wählen Sie zuvor eine Stimmung, in der sich die Figur gegenwärtig befindet, z.B. gut gelaunt oder griesgrämig. Versuchen Sie dann, den Wald durch die Augen der Figur zu sehen. Dabei sollte alles, was die Figur wahrnimmt, durch die Stimmung der Figur gefärbt sein. Ein Schmetterling kann etwa einen gut gelaunten Menschen erfreuen, während ein Miesepeter von dem elenden Flatterding genervt ist.

Alternativen: Letztlich kann man diese Übung mit jeder beliebigen Umgebung verknüpfen. Gute weitere Möglichkeiten sind auch der Gang über ein Schneefeld, ein Besuch an einer Meeresküste etc.

Ziel: Auch hier geht es um Indirektheit. Es ist für den Leser nicht besonders spannend, wenn er die Stimmungen und Gefühlslagen, in denen sich eine Figur befindet, immer direkt geliefert bekommt, z.B. indem man schreibt „Peter war an diesem Morgen in besonders guter Stimmung.“ Lässt man die Stimmungen aber in die Umgebungsbeschreibungen einfließen, kann der Leser selbst entdecken, wie sich die Figur gerade fühlt, und so gibt es auch stärkere Identifikationsmöglichkeiten.

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Zusatzmaterial: Indirektheit

Ein netter Kerl?!

Aufgabe: Überlegen Sie sich kurz, was Sie bei anderen Menschen sympathisch finden. Danach versuchen Sie, eine Szene zu schreiben, in der Ihr Protagonist so handelt, denkt und fühlt, dass man als Leser kaum noch eine andere Wahl hat, als ihn nett zu finden. So werden z.B. Menschen, die anderen helfen, obwohl ihnen dies selbst Nachteile bringt, von fast allen als sympathisch empfunden.

Ziel: Man kann als Autor viel behaupten. Ich kann sagen, dass mein Held der liebste und netteste Kerl der Welt ist, aber die Frage ist, ob mir die Leser das auch glauben. Vermutlich werden sie erst einmal skeptisch sein. Wenn ich es aber dem Leser selbst überlasse, den Protagonisten anhand seines Handelns, seiner Gedanken und Gefühle zu beurteilen, wird es mir viel besser gelingen, meinen Charakter glaubwürdig zu machen.

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Zusatzmaterial: Indirektheit

Der Bösewicht!

Aufgabe: Überlegen Sie sich kurz, was Sie bei anderen Menschen als unangenehm oder – in der Steigerung – als bösartig empfinden. Danach versuchen Sie, eine Szene zu schreiben, in der eine Figur so handelt, denkt und fühlt, dass sie bei dem Leser auf definitive Ablehnung stoßen wird. So werden z.B. Menschen, die andere psychisch oder physisch verletzen und dabei großen Spaß haben, als durchaus unsympathisch empfunden.

Ziel: Ähnlich wie bei der Übung „Ein netter Kerl?!“ geht es darum, nicht bloße Behauptungen über die Natur eines Charakters aufzustellen. Die Beschreibung einer Figur in Aktion ermöglicht es dem Leser, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen, und dies schlägt immer jede schlichte Behauptung wie z.B. wenn man schreibt „Peter war schon immer ein ziemlich mieser Typ gewesen.“

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Zusatzmaterial: Indirektheit

Der geheimnisvolle Mann

Aufgabe: Schreiben Sie eine Szene, in der ein Charakter in einem Restaurant oder einer Bar sitzt und die Menschen betrachtet, die zur Tür hereinkommen. Einer der neuen Gäste soll ihm dabei als geheimnisvolle Person auffallen.

Ziel: In dieser Übung wird besonders deutlich, dass es nicht ausreicht, Behauptungen über eine Figur aufzustellen. Wenn man den Beobachter lediglich feststellen lässt, der Neuankömmling sei geheimnisvoll, wird dies kaum ein Leser genauso empfinden. Also stellt sich die Frage, wie man diesen Eindruck auch dem Leser vermitteln kann. Hier einige Tipps: Erzeugen Sie Diskrepanzen, z.B. könnten Alter und Auftreten der Figur nicht zusammenpassen, oder Aussehen und Verhalten. Natürlich muss man darauf achten, dass solche Diskrepanzen nicht lächerlich wirken, sondern stattdessen Fragen aufwerfen und am besten das Gefühl erzeugen, der Fremde könnte nicht nur mysteriös, sondern sogar ein wenig gefährlich sein.

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Naturgewalten & Mensch

Aufgabe: Schreiben Sie eine Szene, in der ein Mensch einer plötzlich über ihn hereinbrechenden Naturgewalt ausgesetzt ist. Dies kann z.B. ein Gewitter sein, eine Sturmflut, ein Erdbeben oder Ähnliches. Legen Sie ein besonderes Augenmerk darauf, die nur allzu verständliche Angst des Protagonisten nicht direkt zu benennen, sondern in seinem Körpergefühl auszudrücken, z.B. rasender Puls, stoßweiser Atem, enger Hals usw.

Ziel: Situationen, die starke Gefühle hervorrufen, kann man gut in Szenen einbauen, die spannend und aktionsgeladen sind. Dabei stellt sich dann aber oft das Problem, dass die bloße Aussage „Peter hatte Angst“ viel zu schwach wirkt. Der Zweck der Übung liegt darin, bewusst zu machen, dass Gefühle sehr direkt mit körperlichen Reaktionen verknüpft sind, und in eben dieser Verbindung besteht die Möglichkeit, Gefühle eingängig zu beschreiben, ohne sie direkt zu benennen.

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Sprach-Tuning

Aufgabe: Im Folgenden sind einige eher ausdrucksschwache Sätze vorgegeben:
Tom sagte leise.

Sabine klopfte an die Tür.

Steffen fuhr gegen den Zaun.

Tina sah Thomas an.

Tim hörte zu.
Versuchen Sie Möglichkeiten zu finden, diese Sätze interessanter und ausdrucksstärker zu gestalten, indem Sie Adjektive & Adverbien verwenden, bildhafte Vergleiche & Umschreibungen einsetzen, Wertungen vornehmen oder Übertreibungen benutzen.

Ziel: Hier geht es um sprachliches Handwerkszeug, also darum, wie man Texte so gestalten kann, dass sie nicht spröde und eintönig wirken.

Zusatzmaterial: Farbige Sprache

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Aquarium – Formen & Farben

Aufgabe: Stellen Sie sich vor, Sie stehen in dem Schauraum eines großen Aquariums. Versuchen Sie, alle Formen, Farben und Bewegungen, die man in so einer Situation wahrnehmen kann, zu beschreiben.

Ziel: Ziel dieser Übung ist es, das Auge fürs Detail zu schärfen, indem man sich überlegt, was tatsächlich alles zu sehen sein könnte. Eine zusätzliche Schwierigkeit besteht darin, dass es im Aquarium eine vorherrschende Farbe – nämlich Blau – gibt. Hier ist Kreativität gefragt, um Wortwiederholungen zu vermeiden und auch Nuancen von ein und derselben Farbe darzustellen.

Zusatzmaterial: Farbige Sprache

Download der Übung als PDF: Aquarium - Formen & Farben

Eisbecher & Sinneswahrnehmungen

Aufgabe: Beschreiben Sie, wie Sie einen großen Eisbecher verputzen. Versuchen Sie dabei, alle Sinneseindrücke, also schmecken, riechen, sehen, fühlen und hören einzubringen.

Ziel: Gerade als Anfänger neigt man dazu, nur die Sinneseindrücke zu beschreiben, die eine Figur über ihre Augen gewinnt. Durch die Beschreibung anderer Sinneseindrücke kann eine Szene jedoch viel mehr Tiefe gewinnen. Die Übung dient dazu, die Aufmerksamkeit auch auf all die anderen Sinne zu lenken, die in unserem Leben und damit natürlich auch für unsere Protagonisten eine Rolle spielen.

Download der Übung als PDF: Eisbecher & Sinneswahrnehmungen
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Susanne Gavénis

Susanne Gavénis

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