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Ideen im Dialog »

Der Klappentext – eine knifflige Angelegenheit

Der große Moment für einen Autor ist gekommen – er setzt ein dickes Ende unter seine Geschichte. Seine Helden sind mutig in die letzte Schlacht gezogen, haben dem Bösewicht ordentlich in den Hintern getreten (oder – was natürlich auch passieren kann – haben von ihm eine deftige Abreibung bekommen), und nun soll auch der Rest der Welt von ihren Abenteuern erfahren. Mit anderen Worten – der Roman wird veröffentlicht.

Zuvor steht der Autor jedoch vor der heiklen Aufgabe, den potenziellen Lesern seine Geschichte, die er selbst natürlich in- und auswendig kennt, schmackhaft zu machen. Die große Herausforderung ist dabei, durch eine Inhaltsbeschreibung zum einen Neugier beim Leser zu wecken und zum anderen die Handlung so knapp zusammenzufassen, dass der Leser dadurch nicht verwirrt wird.

Würde man versuchen, alle wichtigen Ereignisse der Geschichte in den Klappentext hineinzuquetschen, damit der Leser auch wirklich erkennt, was für einen tollen und spannenden Roman er da in den Händen hält, hätte man vom Umfang her schnell einen neuen Roman geschrieben, und ein derart aufgeblähter Klappentext würde nicht neugierig machen, sondern sehr schnell ermüden. Ein Klappentext darf nicht selbst wieder ein Buch sein, sondern hat nur die Aufgabe, die Wahrnehmung sozusagen wie mit großen Leuchtbuchstaben auf ein Buch bzw. eine Geschichte hinzulenken.

Formuliert man diesen Klappentext andererseits jedoch allzu knapp, besteht die Gefahr, dass die Leser gar nicht begreifen, worum es in der Geschichte überhaupt gehen soll, und sich statt Neugier lediglich Ratlosigkeit breitmacht. Und auf Ratlosigkeit folgt Desinteresse – was für den Verkaufserfolg eines Romans natürlich eher kontraproduktiv ist.

Der Autor ist also gezwungen, sich genau zu überlegen, was den inhaltlichen Kern seiner Geschichte ausmacht. Er muss gewissermaßen das Skelett, das allen Ereignissen des Romans Struktur und Form verleiht, von dem Fleisch trennen, das zwar durchaus schmackhaft sein kann, aber zum Verständnis der Geschichte nicht unmittelbar notwendig ist. Will er einen zugleich knappen und aussagekräftigen Klappentext formulieren, muss er eine Antwort auf die Frage finden, was der rote Faden seiner Geschichte ist, der sich von der ersten Zeile bis zur letzten durch die Handlung zieht.

Sinnvollerweise sollte ein Autor diesen roten Faden bereits kennen, bevor er mit dem Schreiben seiner Geschichte beginnt. Der Klappentext – der ja ganz am Ende der Arbeit an einem Roman steht – schlägt auf diese Weise eine Brücke zum Beginn, nämlich zur Planungs- und Konzeptionsphase, in der sich der Autor schließlich entscheidet, wer die Protagonisten der Geschichte sein sollen und auf welche Weise sie durch die Ereignisse, die im Verlauf der Handlung auf sie einwirken, verändert werden. Diese Entscheidungen legen zugleich fest, was viele Monate später in den Klappentext hineingehört und was draußen bleiben muss.

Einige Leser meiner Romane haben mich gefragt, warum ich bei meinen Klappentexten immer die zweite Hauptfigur unter den Tisch fallen lasse. Bei „Shai’lanhal“ wird im Klappentext mit keinem Wort erwähnt, dass meinem Protagonisten Shaan mit Deleja eine weitere zentrale Figur zur Seite steht. Bei der „Gwailor-Chronik“ geht es im Klappentext lediglich um das Schicksal von Prinz Dayin, aber die sympathische und mutige Prinzessin Lilell aus dem Nachbarkönigreich wird totgeschwiegen, obwohl auch sie für die Handlung der Geschichte unverzichtbar ist. Gleiches gilt für die „Schwarze Quelle“. Protagonist Vian erhält von mir im Klappentext die volle Aufmerksamkeit, während die zweite Hauptfigur Lerith abermals nicht zu existieren scheint.

Man könnte daraus den Schluss ziehen, dass ich meinen männlichen Protagonisten deutlich mehr zugetan bin als meinen weiblichen und die Mädel in meinen Geschichten ungerecht und stiefmütterlich behandle. Ich versichere an dieser Stelle, dass das Gegenteil der Fall ist. In all meinen Romanen mochte ich die weiblichen Hauptfiguren genauso gern wie die männlichen. Warum aber tauchen Deleja, Lilell und Lerith dann nicht auch in meinen Klappentexten auf?

Die Antwort auf diese Frage hängt mit etwas zusammen, das in Schreibratgebern „Prämisse“ genannt wird. Eine Prämisse ist dabei nichts anderes als der oben erwähnte rote Faden, der einer Geschichte ihre sinnhafte Struktur gibt. Mit Hilfe einer Prämisse legt ein Autor fest, worin der zentrale Konflikt des Protagonisten bestehen soll und wie die Entwicklung aussieht, die er im Laufe der Handlung vollzieht.

Eine solche Prämisse besteht in der Regel nur aus einem einzigen Satz, z.B. „Vertrauen in sich selbst führt zum Erfolg“ oder „Das Akzeptieren der eigenen Identität führt zum Glück“ oder „Eifersucht führt in die Selbstzerstörung“ oder „Das egoistische Verfolgen eigener Ziele führt zur Weltherrschaft“ usw. Zentrales Element einer Prämisse ist stets ein bestimmter Aspekt der Hauptfigur, der über konflikthafte Ereignisse schließlich zu einem bestimmten psychischen und emotionalen Endzustand des Protagonisten hinführt.

Auch wenn jede wichtige Figur eines Romans idealerweise ihre eigene Prämisse besitzen sollte, muss sich ein Autor vor Beginn seines Schreibens entscheiden, welche Prämisse welcher Figur zum roten Faden bzw. zum inhaltlichen Skelett seiner Geschichte werden soll. Auch wenn es in dieser Geschichte noch weitere bedeutsame Hauptfiguren gibt, ist es doch die Prämisse der zentralen Hauptfigur, die den Gang der Ereignisse bestimmt.

Dies zeigt sich bereits daran, dass der Autor seine Geschichte mit Szenen beginnt, in denen die eigentliche Hauptfigur mit ihrem zentralen Konflikt (d.h. mit ihrer Prämisse) in die Handlung eingeführt wird, während andere wichtige Hauptfiguren erst danach eingeführt werden. „Shai’lanhal“ beginnt mit der Einführung von Shaan, während Deleja erst mehrere Kapitel später in der Geschichte auftaucht. In der „Gwailor-Chronik“ beginnt jeder neue Zeitabschnitt nach einem Zeitsprung mit Dayins Kapiteln, während die Erlebnisse Lilells erst danach kommen. Auch die „Schwarze Quelle“ beginnt nach dem Prolog mit Bösewicht Balarot mit der Einführung Vians und seinen Konflikten, während Lerith und ihre Probleme erst zu einem späteren Zeitpunkt thematisiert werden.

Die Geschichten beginnen jeweils mit dem Hauptprotagonisten, da es seine Prämisse ist, die bestimmend für die Handlung ist, während die anderen Hauptfiguren erst später dazu stoßen und ihre eigene Prämisse mit der Prämisse der zentralen Hauptfigur verflechten. Doch die Richtung gibt stets die Prämisse der zentralen Hauptfigur vor. Dies ist eine unbedingte Notwendigkeit bei der Konzeption von Romanen.

Für den Klappentext bedeutet das, dass man sich bei seiner Formulierung ausschließlich auf den roten Faden konzentrieren sollte, der von der Hauptprämisse des zentralen Protagonisten gebildet wird. Andere Protagonisten – auch wenn sie noch so wichtig oder sympathisch sind – sind in diesem Fall vernachlässigbar. Natürlich kann man theoretisch auch andere wichtige Figuren in einem Klappentext erwähnen, ich denke jedoch, dass dadurch die Prägnanz und die inhaltliche Geschlossenheit des Klappentextes verwässert werden würden.

Einen Klappentext zu formulieren ist in der Regel harte Arbeit, und auszuwählen, was hinein soll und was draußen bleiben muss, ist zuweilen durchaus schmerzlich für einen Autor. Die Arbeit mit einer Prämisse erleichtert diesen Prozess, weil sie dem Autor Entscheidungskriterien an die Hand gibt, mit deren Hilfe er eine begründete Wahl treffen kann, welche Elemente der Handlung für eine Inhaltsbeschreibung relevant sind und welche nicht. Was für den Klappentext gilt, gilt in ebensolcher Weise auch für das Verfassen eines Exposés. Aber das ist wieder eine andere Geschichte und würde an dieser Stelle zu weit führen.

Als Fazit kann ich aus vollem Herzen sagen, dass mir meine weiblichen Hauptfiguren genauso ans Herz gewachsen sind wie meine männlichen. Sie hatten lediglich das Pech, dass die Geschichten, die ich bisher erzählt habe, in meinen Augen mit einer männlichen Figur als zentralem Protagonisten besser funktioniert haben als mit einem weiblichen. Wer Lust hat, kann das gern selbst einmal nachprüfen, indem er sich vorstellt, Shaan, Dayin und Vian wären Mädel gewesen oder wie die Geschichten wirken würden, hätte ich Delejas, Lilells und Leriths Handlungsabschnitten in der Abfolge der Ereignisse jeweils den Vorzug vor denen der männlichen Hauptfiguren gegeben. Ich denke, das hätte einfach nicht gepasst. Aber wer weiß – vielleicht schreibe ich ja irgendwann mal eine Geschichte, in der die Prämisse eines Mädels tonangebend ist. Dann würden auch die Männer im Klappentext keinen Stich machen.

Mensch oder Elf, das ist hier die Frage!

Bei der Konzeption seiner Figuren gilt es für einen Autor, sich über eine Menge Dinge klar zu werden. Das umfasst neben den naheliegenden Fragen nach dem Geschlecht, dem Aussehen, den biographischen Erfahrungen und – damit zusammenhängend – dem Charakter von Protagonist und Antagonist auch die Überlegung, welcher Rasse eine Figur angehören soll. Je nachdem, mit welchen inneren und äußeren Konflikten sich die Hauptfigur einer Geschichte auseinandersetzen muss, ist die Entscheidung hinsichtlich dieses Aspekts oft von enormer Bedeutung für die gesamte Handlung und steckt den Rahmen ab, innerhalb dessen sich der Held oder die Heldin bewähren muss.

Gleiches gilt grundsätzlich auch für die Konzeption von Fantasy-Romanen. Auch hier findet mit der Festlegung der Rassenzugehörigkeit des Protagonisten eine Weichenstellung statt, die die Marschrichtung für die Handlung und die Entwicklung der Hauptfigur vorgibt, und dies umso mehr, je mehr unterschiedliche Rassen die fiktive Welt der Geschichte bevölkern sollen. Treffen Menschen, Elfen, Zwerge, Orks und Trolle in einem bunten Völkergemisch aufeinander, ist das Pulverfässchen mit der brennenden Lunte niemals weit entfernt.

Mit etwas weniger Dramatik aufgeladen ist das Ganze, wenn es – so wie in der „Schwarzen Quelle“ – nur eine einzige Rasse gibt. Dennoch war die Entscheidung, Elfen die Hauptrolle in der Geschichte spielen zu lassen, am Anfang meiner Planungsphase nicht so klar, wie es vielleicht scheinen mag. Gerade weil die klassischen Reibungspunkte zwischen den unterschiedlichen Fantasy-Rassen in der „Schwarzen Quelle“ nicht im Mittelpunkt stehen sollten, sondern ich den Fokus auf die Konflikte zwischen den verschiedenen Clans legen wollte, habe ich mich gefragt, was eigentlich dagegen spricht, statt der Elfen gewöhnliche Menschen als Figuren meines Romans zu verwenden. Die Clans hätten statt aus Elfen auch aus normalen Menschen bestehen können, und auch für die Elementmagie hätte es nicht notwendigerweise Elfen gebraucht (schließlich war Shaan, mein Protagonist aus „Shai’lanhal“, auch kein Elf, und die Geschichte hat trotzdem gut funktioniert). Und da ich bei meiner Arbeit als Autorin stets nach dem Ökonomieprinzip verfahre und streng darauf achte, keine für die Handlung und die Figurenentwicklung überflüssigen Elemente in meine Geschichten einzubauen (weshalb ich meine Protagonisten auch nicht ohne zwingenden Grund zu einem Zwerg oder Troll machen würde, außer die Story erfordert es), hat sich mir erst recht die Frage gestellt, ob eine Entscheidung für Elfen und gegen Menschen nicht ein solches überflüssiges Element wäre.

Dass meine Wahl am Ende trotzdem auf die Elfen gefallen ist und die Menschen leer ausgegangen sind, hat mehrere Gründe. Zum einen konnte ich mich der Tatsache nicht verschließen, dass die Vertreter der klassischen Fantasy-Rassen für die Leser von Fantasy-Romanen mit besonderen Bedeutungen aufgeladen sind und bestimmte Assoziationen auslösen, die nicht untereinander austauschbar sind. Ohne dass man als Autor auch nur ein Wort der Charakterisierung darüber verlieren müsste, würde dem Begriff „Mensch“ sofort etwas Robustes und Bodenständiges anhaften, während mit dem Begriff „Elf“ auf der Gefühlsebene mehr das Ätherische und Grazile assoziiert ist, das Fließende und Magische, das bereits von seiner bloßen Existenz her den Kräften der Natur näher steht, als ein Mensch dies täte. Eine solche magisch getönte Assoziation zwischen meinen Figuren und der sie umgebenden Welt erschien mir für die Art von Geschichte, die ich erzählen wollte, passender, weil ich dabei auf Bedeutungsgehalte zurückgreifen konnte, die in der Fantasie der Leser bereits angelegt waren, und ich sie nicht erst durch meine Erklärungen und Beschreibungen herstellen musste. Das mag subtil und wenig offensichtlich sein, für mich als Autorin war es dennoch von Bedeutung, als ich in meine Figuren und die Geschichte hineingespürt habe.

Was vor allem für meine beiden Protagonisten Vian und Lerith gilt, gilt in ebensolcher Weise für meinen Bösewicht Balarot. Auch hier wäre es möglich gewesen, aus Balarot einfach nur einen abtrünnigen menschlichen Zauberer zu machen, der sich gemeinsam mit einer Gruppe von anderen schurkischen Zauberern mit schwarzer und verbotener Magie beschäftigt (was ja in Fantasy-Romanen nichts Ungewöhnliches ist). Doch Balarot ist nicht einfach nur ein fieser Zauberer. Er ist ein Dunkelelf. Was auf der oberflächlichen Ebene vielleicht gleich aussieht, offenbart seine wirkliche Bedeutung, wie ich finde, in den Assoziationen, die mit dem Begriff „Dunkelelf“ verbunden sind und sich von denen unterscheiden, die von dem Begriff „abtrünniger menschlicher Magier“ ausgelöst werden würden. Im Wort „Dunkelelf“ schwingt bereits etwas von der Pervertierung mit, die alle mit den Elfen assoziierten Eigenschaften in ihr Gegenteil verkehrt, und eine solche unterschwellige emotionale Verknüpfung mit bestimmten Bedeutungen war mir für das Verhältnis zwischen meinen Protagonisten und meinem Antagonisten im Fall der „Schwarzen Quelle“ besonders wichtig.

Unabhängig von diesen Erwägungen der eher subtilen Art, die vielleicht nur ich als Autorin so empfunden habe, die aber für die meisten Leser gar nicht von Belang gewesen wären (was immer möglich ist, da ein Autor letztlich immer nur von sich selbst ausgehen und lediglich Mutmaßungen über die Gedanken und Gefühle seiner Leser anstellen kann), gibt es aber auch handfestere Gründe, die mich dazu bewogen haben, meine Figuren zu Elfen statt zu Menschen zu machen. Als Elfen besitzen die Figuren Eigenschaften, die ihnen als Mensch abgehen würden, die aber für die Konzeption der Geschichte wichtig waren, z.B. eine große Ausdauer, die sie dazu befähigt, sozusagen mit der Leichtigkeit des Windes schnell größere Entfernungen zurückzulegen, oder einen stark ausgeprägten Orientierungssinn, der ihnen hilft, nicht blind und konfus in der Gegend herumzustolpern. Beide Fähigkeiten sind in meiner Vorstellung Ausdruck der grundlegenden Verbundenheit der Elfen mit der Natur, die über die von Menschen hinausgeht, so dass ich davon absehen konnte, an den notwendigen Stellen im Roman mehr oder weniger bemühte Erklärungen dafür zu finden, warum meine Figuren die Dinge können, die sie können.

Auch solche Überlegungen spielen in der Planungsphase einer Geschichte oft eine wichtige Rolle, und gerade Fantasy-Autoren haben hier im Vergleich zu Autoren aus anderen Genres den Vorteil, ganz selbstverständlich auf bestimmte, mit einer speziellen Fantasy-Rasse assoziierte Fähigkeiten zurückgreifen zu können, um Storyentscheidungen plausibel machen zu können, für die ansonsten einiger Erklärungsaufwand notwendig wäre. Dass in diesem Vorteil gleichzeitig auch wieder Gefahren für die Konzeption stecken, ist wiederum eine andere Geschichte und würde an dieser Stelle zu weit führen. Sinnvoll und in Maßen eingesetzt, bietet die Existenz der etablierten Fantasy-Rassen den Autoren aber ein Füllhorn an Möglichkeiten, ihren Geschichten ein charakteristisches und eigenständiges Flair zu verleihen.

All diese Gründe haben mich schließlich dazu bewogen, die Welt meiner „Schwarzen Quelle“ vollständig mit Elfen zu bevölkern und den Menschen eine kleine Erholungspause zu gönnen. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, und hoffe wie jedes Mal, wenn ich einen neuen Roman veröffentlicht habe, dass meine Leser das genauso sehen werden. Es bleibt für einen Autor also immer spannend.

Der Reiz der Elementmagie

Dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein – nach „Shai’lanhal“ ist „Die schwarze Quelle“ mein zweiter Roman, in dem die Figuren über die Kräfte des Windes, des Feuers, des Wassers und der Erde gebieten. Was macht für den Leser von Fantasy-Romanen (oder für den Zuschauer, wenn es sich um einen Film handelt) den besonderen Reiz gerade dieser speziellen Spielart der Magie aus? Dies hat, soweit ich sehen kann, mehrere Gründe.

Zum einen ist eine Magie, die auf der Beherrschung der vier Elemente gründet, auf eine viel intimere Weise mit dem Leben und den natürlichen Lebensbedingungen des Menschen verbunden als jede andere Form der Zauberei. Die Erde, das Wasser, die Luft und die Wärme des Feuers und der Sonne sind die Grundlage, die jegliches Leben überhaupt erst möglich macht. Sie sind in jeder einzelnen Sekunde ein unauslöschlicher Teil der körperlichen Existenz des Menschen, fließen durch ihn hindurch, nähren und erhalten ihn – oder können ihn auch zerstören. Diese fundamentale Abhängigkeit des Menschen von den Elementen ist etwas, das schon immer zugleich fasziniert und Angst gemacht hat, und die Versuche, die elementaren Kräfte der Natur mit Hilfe magischer Praktiken zu beherrschen und zu kontrollieren, sind so alt wie die Menschheit selbst.

Zum anderen wohnt den Elementen und ihrer magischen Manipulation durch diese existentielle Ursprünglichkeit eine archaische und beinahe archetypische Qualität inne, die ihre Wirkung auf einer tieferen emotionalen und psychischen Ebene entfaltet, als dies bei anderen und diesem archetypischen Kern ferneren Ausdrucksformen der Magie in Fantasy-Geschichten der Fall ist. Ein Magier, der aus dem Nichts eine Flammenwand emporlodern lassen oder die tosenden Wogen eines Meeres mit einer einzigen Handbewegung dazu bringen kann, vor ihm zurückzuweichen, hat direkten Zugriff auf die Schöpfungskraft selbst, während ein Magier, der einem grunzenden Troll mit einem schadenfrohen Grinsen ein Paar Kaninchenohren an den plumpen Schädel zaubert oder die Fähigkeit besitzt, die Sprache der Vögel und Eichhörnchen zu verstehen, sich zwar unseres Staunens als Leser gewiss sein kann, aber nicht im selben Maße das Gefühl in uns hervorruft, gerade Zeuge von etwas Größerem, Bedeutsameren geworden zu sein, das über die profane – auch magisch manipulierbare – Realität hinausreicht und auf eine andere Art als gewöhnliche Magie von Macht durchdrungen ist. Der Erfolg solcher Geschichten wie „Avatar – Herr der Elemente“ (die Zeichentrick-Serie, nicht der Film) geht in meinen Augen – neben der sehr guten Story, die erzählt wird – auch auf diese tiefere emotionale Wirkung der Elementmagie zurück. Jeder, der miterlebt hat, wie sich im finalen Endkampf die Hauptfiguren zu getragener orchestraler Musik minutenlang ein magisches Duell auf Leben und Tod liefern, wird, denke ich, verstehen, was ich meine.

Auf der Ebene der Storykonzeption hat die Elementmagie darüber hinaus den großen Vorteil, dass sie für den Autor handhabbar und für den Leser einschätzbar ist. Eines der zentralen Prinzipien einer guten Figurenkonzeption ist es, die Fähigkeiten einer Figur für den Leser transparent zu gestalten. Dies ist auch ein wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, Spannung in einer Geschichte zu erzeugen und aufrecht zu erhalten. Weiß man als Leser niemals genau, was für Stärken und Schwächen eine Figur nun genau besitzt, kann man auch nicht einschätzen, ob eine scheinbare Gefahrensituation überhaupt eine Bedrohung für sie darstellt oder ob sie nicht plötzlich mit einem gelangweilten Gähnen einen spektakulären magischen Trick aus dem Hut zaubert, mit dem sie ihren Hals – der offenbar niemals wirklich in Gefahr war – lässig wieder aus der Schlinge zieht. Eine Figur – bzw., um bei unserem Thema zu bleiben, ein Magier -, die alles kann, weil der Autor es versäumt hat, ihren Fähigkeiten klare Grenzen zu setzen, ist jedoch der Tod jeder interessanten und spannenden Geschichte.

Dieser Umstand wird noch dadurch verschärft, dass der Autor ein ordentliches Plausibilitätsproblem bekommt, wenn er seinen scheinbar allmächtigen Magier doch einmal in ernsthafte Schwierigkeiten geraten lässt, durch die – dramatisch! – mit einem Mal sogar sein Leben auf dem Spiel steht. Hat sich dieser Magier in früheren brenzligen Situationen jedoch damit aus der Affäre gezogen, dass er sich z.B. einmal in eine Maus verwandelt hat, um durch eine Mauerritze aus einem Verlies zu entkommen, hat er ein anderes Mal einen Berg über einer anrückenden Ork-Armee einstürzen lassen und ein drittes Mal das sinistre Komplott des Bösewichts dadurch aufgedeckt, indem er durch zehn Backsteinmauern hindurch jedes Wort belauscht, das sich die Verschwörer in ihrem Geheimversteck ins Ohr flüstern, dann ist dem Leser nicht verständlich zu machen, warum er plötzlich nicht bemerkt, wie sich sein Gegenspieler in aller Ruhe von hinten an ihn heranschleicht und ihn überwältigt, und warum er es nicht fertig bringt, sich von seinen Fesseln zu befreien, mit denen er auf dem Heuwagen festgebunden ist, der führerlos auf einen Abgrund zurast (oder den Heuwagen anderweitig zu stoppen).

Die Gefahr, dass eine Figur grundlos unter den Möglichkeiten bleibt, die sie aufgrund ihrer Fähigkeiten eigentlich haben müsste, existiert natürlich immer, und jeder Autor tut gut daran, sich ihrer stets bewusst zu sein. Die Elementmagie bietet ein natürliches Regulativ gegenüber einer solchen Beliebigkeit und Unvorhersehbarkeit im Handeln einer Figur. Verfügt eine Figur über die Fähigkeit, ein bestimmtes Element zu kontrollieren (Erde, Feuer, Wasser, Luft oder – wie im Fall der Elfen aus der „Schwarzen Quelle“ – die Heilung von Lebewesen und das Wachstum von Pflanzen), so sind die Grenzen ihrer Magie dadurch einerseits eindeutig definiert, andererseits bleibt ihr aber immer noch ein großer Spielraum, um kreative Lösungen für Probleme oder Gefahrensituationen zu finden, die die Leser überraschen können (was natürlich ebenfalls sehr wichtig ist).

Ob ein Luftmagier nun einen kleinen Tornado entstehen lässt, um die auf ihn zustürmende Wildsau einfach aus dem Weg zu pusten, ob er mit einem kraftvollen Windstoß einen Baum entwurzelt, der der Sau als Barriere vor die Füße fällt, oder ob er ihr brutal die Luft aus den Lungen saugt und sie bewusstlos zusammenbrechen lässt (oder noch viele andere Dinge mehr, die ihm und dem Autor gerade einfallen), ist dabei gleichgültig. Solange sich die gefundene Lösung innerhalb der Grenzen der Möglichkeiten bewegt, die der Autor für den Ausdruck dieser Magie festgelegt hat, wird der Leser vielleicht verblüfft, aber nicht verärgert oder gar befremdet darauf reagieren, und er wird nicht das Gefühl haben, vom Autor für dumm verkauft worden zu sein.

Hätte der Magier die arme Sau dagegen mit einer gezielten Flammengarbe in einen Schmorbraten verwandelt, statt sie, getragen auf den sanften Schwingen des Windes, in den nächsten Baumwipfel zu befördern, hätte er die Gesetze der Luftmagie verletzt und wäre von einer Sekunde zur anderen zum Feuermagier mutiert. Einen derartigen Bruch mit den als gültig vorausgesetzten magischen Spielregeln würde der Leser vermutlich eher mit einem ungläubigen Stirnrunzeln quittieren, statt sich darüber zu freuen.

Verbindet man all diese Vorzüge der Elementmagie schließlich noch mit einer konflikthaften Ausgangssituation für den Protagonisten – etwa ein Feuermagier, der sich vor der zerstörerischen Seite seiner Magie fürchtet und lieber ein Wassermagier wäre -, hat man ein hervorragendes Material, um mit relativ wenig konzeptionellem Aufwand die Grundlagen für eine interessante Geschichte festzuzurren. Natürlich sind die unterschiedlichsten Arten von inneren und äußeren Konflikten auch mit anderen Formen der Magie als der Elementmagie möglich, aber gerade aufgrund ihrer klaren Regeln und Gesetzmäßigkeiten ist die Elementmagie für eine konflikthafte Figurenkonzeption und die glaubwürdige Auflösung von Gefahrensituationen im Verlauf der Handlung besonders gut geeignet.

Vor allem bei sehr magielastigen Fantasy-Romanen ist das Risiko groß, dass diese Magie zu einem Storykiller wird, wenn ihre Möglichkeiten und Grenzen vom Autor nicht gut genug ausgearbeitet werden. Ein klar konzipierter Feuer- oder Wassermagier ist mir deshalb allemal lieber als ein geheimnisvoller Gandalf, der zwar alles irgendwie zu können scheint, in Momenten, in denen es wirklich darauf ankäme, seinen Zauberstab jedoch lieber als gewöhnlichen Knüppel gebraucht, statt als der mächtige Magier zu agieren, als der er sich in früheren Bedrohungslagen ja bereits oft genug erfolgreich geriert hat. Gerade für den Einsatz von Magie in Fantasy-Geschichten gilt daher die alte Weisheit, dass weniger (dafür aber transparenter und einschätzbarer für den Leser) ganz entschieden mehr ist.

Hintergründe zu den Geschichten meiner Romane

Als Autor macht es mir immer besonders viel Spaß, mit den Lesern über meine Geschichten ins Gespräch zu kommen. Dann wird diskutiert, warum der Protagonist dies oder jenes getan hat, oder warum die Handlung an einer bestimmten Stelle eben jene und keine andere Wendung genommen hat. Manchmal kommen dabei auch Aspekte zur Sprache, die ich vielleicht nicht so klar darstellen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte, und deshalb möchte ich diesen Teil meiner Webseite nutzen, um auf mir häufig gestellte Fragen zu antworten. Natürlich können Sie auch selbst Fragen stellen oder bereits bestehende Artikel kommentieren.

Inspiration

Fantasy warrior woman attack with fire chains action illustration.Wie die Welt so spielt: Eine der wichtigsten Inspirationsquellen für meinen Roman "Shai'lanhal" war ein Poster eines Videospielmagazins, das einen Kämpfer zeigt, der vor Feuer von innen zu glühen scheint. Meine Geschichte hat nun den Künstler Uwe Schaaf, der die Cover zum "Gambler-Zyklus" und zum "Wächter des Elfenhains" gestaltet hat, wiederum zu dem folgenden Bild mit dem Titel "Yinyal" inspiriert:

YinyalHier noch einmal der Link zur Webseite Augensound, wo der Künstler Uwe Schaaf viele seiner Renderings präsentiert:

Augensound - Yinyal

Die Cover-Bilder der Gwailor-Chronik

fallen angeldark kingZu meinem Glück lässt mir mein Verlag bei der Auswahl der Coverbilder freie Hand, daher kann ich ganz nach meinem Gutdünken die Bilder aussuchen, und der Verlag kümmert sich um die Rechte. Für mich ist das ein tolles Arrangement, da ich doch recht klare Vorstellungen habe, welche Kriterien ein Coverbild erfüllen sollte.

Zum einen muss es meinen Sinn für Ästhetik ansprechen, und da dieses Empfinden höchst subjektiv ist, kommt mir die freie Auswahl natürlich sehr entgegen. Am besten ist es, wenn ich beim ersten Ansehen des Bildes spontan begeistert bin.

Das zweite Kriterium ist etwas schwieriger zu erfüllen, denn immerhin soll das Cover die Geschichte nach außen hin angemessen repräsentieren, und daher achte ich bei den Bildern immer auch darauf, ob die Grundstimmung, die dem Roman zu Grunde liegt, beim Betrachten des Bildes zu spüren ist. Der Betrachter soll direkt erkennen können, welche Gefühle den Protagonisten am meisten beschäftigen oder welchen Hindernissen er sich in erster Linie gegenübersehen wird.

Bei Mehrteilern wie der Gwailor-Chronik und auch dem Gambler-Zyklus kommt noch ein weiteres Kriterium hinzu: Alle Cover sollen stilistisch zueinander passen, daher versuche ich in solchen Fällen, alle Bilder vom gleichen Künstler zu nehmen.

Die beiden Coverbilder der Gwailor-Chronik erfüllen für mich alle drei Kriterien, denn sie sehen meiner Meinung nach toll aus und stammen beide von dem kroatischen Künstler Dusan Kostic. Außerdem transportieren sie wirklich gut die Stimmung der beiden Bücher.

Im ersten Band der Gwailor-Chronik „Im Schatten der Prophezeiung“ entsteht aufgrund der düsteren Worte der Seherin eine beständige Bedrohung für Prinz Dayins Leben, und diese Bedrohung wird durch die dunkle Gestalt, die das Schwert zum Schlag bereit in der Hand hält, sehr schön repräsentiert. Zudem wirkt die Figur nicht wie ein realer Angreifer, sondern eher wie ein mystischer Todesengel, was gut passt, weil es nicht nur eine einzelne Person ist, die Dayin nach dem Leben trachtet, sondern ein ganzes Volk, daher lauert der Tod für ihn buchstäblich hinter jeder Hausecke – oder besser, in jedem Schatten. Die dunklen Farben des Bildes unterstreichen zudem gut Dayins vorherrschendes Lebensgefühl – er spürt den Hauch des Todes quasi schon im Nacken, so als würde der im Cover abgebildete Todesengel direkt hinter ihm schweben und ihn überall hin verfolgen, ohne dass er ihm je entkommen könnte.

„Schicksalspfade“, der zweite Band der Gwailor-Chronik, konfrontiert Dayin dagegen vor allem mit den Anfeindungen seines Bruders, der nichts unversucht lässt, um Dayin zu ermorden. Gerrent, der mittlerweile zum König gekrönt wurde, erscheint dabei wie ein Gefäß für die Ablehnung, die Dayin von allen Seiten entgegengebracht wird. Sie konzentriert sich in ihm und bringt einen unstillbaren Hass hervor, der Gerrent zunehmend unmenschlicher werden lässt. Daher erschien mir das Bild mit dem gesichtslosen, dämonisch anmutenden König äußerst passend, denn Gerrent verliert in seinem Zorn immer mehr an Individualität, gleichzeitig gehen ihm menschliche Eigenschaften wie Mitgefühl und Güte nun endgültig verloren. Außerdem symbolisieren der Speer in der Hand des Königs und die gesamte Gestaltung des Thronsaals sehr gut die irrsinnige Kriegslust, die Gerrent überkommt und ihn zu einem grausamen Dämon werden lässt, der alle vernichten will, die ihm im Weg stehen.

Über Prophezeiungen und Protagonisten

fallen angeldark kingDie Prophezeiung ist ohne Zweifel ein äußerst beliebtes Element in der Fantasy-Literatur. Die Art, wie sie von vielen Autoren in ihren Geschichten verwendet wird, folgt dabei oft einem ganz bestimmten Muster, das sich – auch wenn es dort letztlich keine ursächliche Prophezeiung gegeben hat – bis zu Tolkiens „Herr der Ringe“ zurückverfolgen lässt. In der Regel wird der Hauptfigur durch einen Seher, eine geheimnisvolle Schriftrolle aus uralter Zeit oder einen sonstigen kryptischen Umstand kund getan, dass allein sie vom Schicksal oder den Göttern auserkoren worden sei, das aus äonenlangem Schlummer wiedererwachte Böse endgültig niederzuringen und der Menschheit ein neues Zeitalter des Lichts zu schenken. Dummerweise ist diese finstere Bedrohung, die sich gerade anschickt, von Neuem ihre gierigen Tentakel nach den Menschen auszustrecken, nicht an der nächsten Straßenecke zu finden, sondern – wie könnte es anders sein – am anderen Ende der Welt. Was nun getan werden muss, ist klar.

Der Kern dieser Geschichten ist im Grunde weniger die Prophezeiung selbst – die lediglich den Startschuss liefert und den Helden motiviert, sich überhaupt in Bewegung zu setzen -, sondern die Reise, die der Protagonist antreten muss, um zu seinem vom Orakel geweissagten Bestimmungsort zu gelangen. Auf dieser Reise – die er oft zusammen mit einer ganzen Gruppe wagemutiger Abenteurer unternimmt – müssen viele Gefahren gemeistert werden, Überfälle von Räubern, Monstern aller Art und der Kampf gegen eine unwirtliche Natur sind an der Tagesordnung, bis der Held schließlich seiner von der Prophezeiung bereits zu Beginn festgelegten Nemesis gegenübersteht.

Bei all diesen Abenteuern und Hindernissen, die sich dem Protagonisten in den Weg stellen, bleibt die Prophezeiung als solche jedoch meist etwas Fernes und Äußerliches für ihn, das für seine Persönlichkeit nicht viel mehr Bedeutung hat als irgendeine unangenehme Aufgabe, die ihm von oben aufs Auge gedrückt wurde und die er nun mehr oder weniger Zähne knirschend abarbeiten muss. Wenn sich die Hauptfigur im Verlauf der Handlung verändert, dann geschieht dies mehr durch eine Auseinandersetzung mit den Widrigkeiten auf dem Weg zum prophezeiten Endkampf als durch die Existenz der Prophezeiung selbst, und man hat als Leser oft das Gefühl, dass die Geschichte mit einem anderen Protagonisten genauso gut funktioniert hätte und es letztlich gleichgültig war, wer nun am Ende die Prophezeiung erfüllt.

Diese Art von Geschichten hat mich nie wirklich gefesselt. Als Autor hat mich mehr die Frage fasziniert, wie es ist, wenn eine Figur eine Prophezeiung nicht bloß als lästige Pflicht empfindet, die sie in eine Reihe zwar unterhaltsamer, am Ende aber mehr oder weniger beliebiger und austauschbarer Abenteuer zwingt, sondern wenn diese Figur durch die Prophezeiung im Kern ihres gesamten Wesens verändert wird. Dieser Frage bin ich – in jeweils unterschiedlicher Ausrichtung – sowohl in „Shaans Bürde“ als auch in der „Gwailor-Chronik“ nachgegangen. Zwar wird auch Shaan und Dayin ihre Prophezeiung von einer äußeren Macht übergestülpt, ohne dass sie dabei eine Wahl oder Einflussmöglichkeiten gehabt hätten, doch geschieht dies auf eine Weise, die ihre jeweilige Persönlichkeit einer fundamentalen Veränderung unterwirft. Die Prophezeiung wird hier zu einem geradezu intimen Bestandteil ihres Charakters und ihres Lebens, der ihr gesamtes Denken, Fühlen und Handeln von Geburt an beherrscht und allen ihren Erfahrungen eine bestimmte Färbung und Signatur verleiht. Weder für Shaan, der durch die Erziehung seines verbitterten und hasserfüllten Vaters seelisch beinahe gebrochen worden ist, noch für Dayin, der bereits als Kind daran zweifelt, ob nicht ein kaltblütiger Mörder in ihm steckt, ist die Prophezeiung, die sie gefangen hält, etwas Äußeres. Sie werden gezwungen, mit ihrem gesamten Sein eine Antwort darauf zu finden, und bei beiden ist es nicht damit getan, die Prophezeiung lediglich zu erfüllen oder ihr Eintreffen zu verhindern, denn egal ob sie am Ende scheitern oder erfolgreich sind, so werden sie doch niemals wissen, was sie für ein Mensch hätten werden können, wenn es die Worte der Seherin oder den verborgenen Kampf zwischen den Mächten des Guten und des Bösen nicht gegeben hätte. Die Prophezeiungen haben sie dauerhaft und unwiderruflich traumatisiert, und mit diesen Traumatisierungen müssen sie jeden Tag aufs Neue umgehen, und das, lange bevor und nachdem sie am Ende ihrer Geschichten ihre jeweilige persönliche Begegnung mit dem Schicksal erleben.

Das ist eine Sichtweise, die mich als Autor viel mehr interessiert als unzählige Heldenreisen kreuz und quer durch die Welt, die oft tausende von Buchseiten füllen – der Blick auf das, was eine Prophezeiung in der Seele einer Figur anrichtet und was für Konsequenzen dies für ihr Leben hat, statt farbenfrohe Abenteuer, bei denen die Prophezeiung lediglich ein mehr oder weniger plausibles Alibi für den Protagonisten ist, durch die Gegend zu ziehen und dabei ordentlich auf den Putz zu hauen. Auch das kann seinen Reiz haben und Spaß machen, mein persönlicher Zugang als Autor zu diesem Thema wird jedoch immer ein anderer sein.

Über Prophezeiungen

fallen angeldark kingMit Prophezeiungen ist es wie mit Schrödingers Katze – solange man nicht hineinschaut, weiß man nie, was in der Kiste ist. Wird einem ein langes und glückliches Leben vorausgesagt, oder lauert der Tod bereits hinter der nächsten Ecke? Die Antwort auf diese Fragen hat die Menschen von je her fasziniert, und viele Propheten und Zukunftsseher haben versucht, mit der Kraft ihrer visionären Gabe einen Blick hinter den Vorhang zu werfen und dem Mysterium der Zeit ein paar seiner Geheimnisse zu entlocken – oder es zumindest behauptet.

Sei es das berühmte Orakel von Delphi, dessen schrecklicher Prophezeiung ein junger Mann namens Ödipus verzweifelt zu entfliehen versucht (was ihm am Ende, wie wir alle wissen, eher weniger gut gelingt), oder die kryptischen Visionen eines Nostradamus, deren Deutung viele Gelehrte bis heute beschäftigt – immer geht es darum, ein Licht zu entzünden und den Weg zu erhellen, der vor einem in die Dunkelheit führt, um vielleicht auf diese Weise einigen seiner Gefahren und Fallstricke entgehen zu können, die den unwissenden Wanderer ansonsten unwiderruflich zu Boden gestreckt hätten.

Doch mit jeder Prophezeiung, egal wie behutsam oder mit wie viel Absolutheitsanspruch sie auch verkündet werden mag, ist untrennbar verbunden die alte Frage nach der Henne und dem Ei. Erblickt der Prophet eine Zukunft, in der die Ereignisse, die einem Menschen widerfahren, bereits seit dem Moment seiner Geburt wie die Schauspieler in einem Theaterstück darauf warten, zum richtigen Zeitpunkt hinaus auf die Bühne zu treten, oder werden durch die Prophezeiung die Weichen gestellt, die diese Ereignisse überhaupt erst möglich machen? Denn ist eine Prophezeiung erst einmal ausgesprochen, wird sie zu einem Teil des Lebens eines Menschen, und er wird gezwungen, in irgendeiner Form darauf zu reagieren. Was er aber auch immer damit zu tun gedenkt – ob er sie in den hintersten Winkel seines Bewusstseins verbannt oder all seine Kraft darin investiert, sie zu verhindern oder Wirklichkeit werden zu lassen - , eines kann er nicht vermeiden: Die Worte des Sehers oder Orakels haben ihn verändert, haben sein Denken, Fühlen und Handeln auf eine Weise beeinflusst, die etwas Neues in sein Leben gebracht hat, was es ohne sie niemals gegeben hätte. Nicht umsonst gibt es in der Psychologie den Begriff der selbsterfüllenden Prophezeiung. In seinem verzweifelten Bemühen, einem prophezeiten Unfall zu entgehen, führt ein Mensch durch seine panischen Aktivitäten genau diesen Unfall erst herbei. Was aber war letztlich die Ursache und was die Folge?

Diese Frage berührt einen weiteren Aspekt, der eng mit Prophezeiungen jeder Art verknüpft ist, nämlich das Thema der Willensfreiheit und des Determinismus. Steht das Schicksal eines Menschen bereits von Beginn an unverrückbar fest und arbeitet er die Ereignisse, die ihm auf seinem Lebensweg begegnen, in der Rolle eines letztlich passiven Zuschauers lediglich Schritt für Schritt ab, ohne sie jedoch selbst verändern oder ihnen ausweichen zu können, oder ist jeder selbst seines Glückes Schmied, und einzig die eigene Persönlichkeit und die eigenen Anstrengungen entscheiden darüber, was aus dem unendlichen Feld der Möglichkeiten schließlich Realität wird? Oder sind die Ereignisse als solche zwar vorbestimmt, können aber beeinflusst oder ganz verhindert werden, sobald man um ihr Eintreten in der Zukunft weiß? In einem solchen Fall würden Determinismus und Willensfreiheit Hand in Hand gehen, und die Prophezeiung würde von einem unbarmherzigen Richtspruch der Götter oder des Universums zu einem Werkzeug, das, auf die richtige Weise benutzt, viel Gutes bewirken könnte.

Was aber geschieht, wenn das Eintreffen einer Prophezeiung zwar abgewendet werden kann, die Persönlichkeit des Menschen, dem das Ereignis vorausgesagt wurde, dadurch jedoch in seinen und den Augen aller anderen in einem so verabscheuungswürdigen Licht erscheint, dass sein Leben trotzdem dauerhaft beeinträchtigt ist? So ergeht es Dayin, dem Protagonisten der Gwailor-Chronik, dem bei seiner Geburt geweissagt wird, er werde seinen Vater, den König, als junger Mann heimtückisch ermorden. Eine solche Prophezeiung – gleichgültig, ob sie nun eintritt oder nicht – sagt etwas derart Fundamentales über den Charakter des Menschen aus, der zu einer solchen Heimtücke in der Zukunft fähig sein wird, dass mit dem Abwenden des schrecklichen Ereignisses die Probleme noch lange nicht aufhören. Die Eltern eines solchen Kindes müssen von nun an mit dem Gefühl leben, einen potenziellen Mörder heranwachsen zu sehen, der zusammen mit ihnen unter einem Dach wohnt. Die psychologischen Konsequenzen eines derartigen Wissens sind überhaupt nicht absehbar, in jedem Fall aber für die Beziehung zwischen Eltern und Kind verheerend. Hinzu kommt, dass auch das Kind kaum eine andere Möglichkeit besitzt, als sich dieses Bild, das alle anderen in seiner Umwelt von ihm haben, ebenfalls zu eigen zu machen, vor allem, wenn es in einem Alter damit konfrontiert wird, in dem es darauf angewiesen ist, seine eigene Identität in den Augen seiner Eltern gespiegelt und bestätigt zu sehen.

Die Frage ist, ob es einem Menschen unter diesen Bedingungen überhaupt gelingen kann, ein Gefühl für sich selbst und seine individuelle Wesensart zu entwickeln und gegen die machtvolle Fremddefinition einer Prophezeiung aufrecht zu erhalten, die keinen Zweifel daran lässt, dass er irgendwann zu einem Mörder geworden wäre, auch wenn er im Moment noch selig mit seiner Mutter die Entenküken füttert. Dieses Ringen um Identität und der Kampf gegen Selbstzweifel und innere Zerrissenheit sind das Thema der Geschichte um Prinz Dayin und Prinzessin Lilell. Es ist eine Geschichte, in der die Seherinnen der beiden Königreiche Gwailors über eine absolute und nahezu göttergleiche Macht verfügen, die weder Bauer noch König jemals in Frage stellen. Wie es ist, in eine solche Welt hineingeboren zu werden, in der der Einfluss von Prophezeiungen auf das Leben der Menschen so allgegenwärtig wie bestimmend ist, und dabei trotzdem seine eigene Persönlichkeit nicht aus dem Blick zu verlieren, war die Frage, die mich beim Schreiben der Gwailor-Chronik am meisten fasziniert hat.

Die Elfen und das Eisen

Wächter des Elfenhains-cover-miniDem einen oder anderen Leser mag es ein wenig befremdlich erscheinen, dass Andion eine so starke Abneigung gegen Eisen hat. Eine solche instinktive Abwehrreaktion auf die Gegenwart von metallischen Gegenständen wirkt seltsam und willkürlich, doch bei diesem Detail der Geschichte habe ich mich eng an die irischen Feen- und Elfensagen angelehnt. Dort wird den Elfen von je her eine Abneigung gegen Eisen und andere Metalle nachgesagt, und auch im Volksglauben selbst spiegelt sich diese Auffassung wider. So war es zum Beispiel früher in Irland Brauch, eine Feuerzange oder ein anderes Stück Eisen auf die Wiege eines Säuglings zu legen, um zu verhindern, dass die Elfen das Kind stehlen und gegen einen bösartigen Wechselbalg austauschen konnten. Ebenso war es möglich, den Zauberbann einer Fee durch die Berührung mit Eisen zu brechen oder sich auf diese Weise Zugang zu einem Feenhügel zu verschaffen.

Die schwierige Beziehung zwischen Elfen und Eisen lässt sich auf verschiedene Arten erklären. Die eine Deutung – der ich auch im „Wächter des Elfenhains“ gefolgt bin – favorisiert eine eher allgemeine soziologische Betrachtungsweise und sieht in der Abneigung der Elfen gegen Eisen ein Symbol für den Siegeszug der menschlichen Zivilisation, die die Natur und ihre Lebewesen mehr und mehr an den Rand drängt und ihrer Existenzgrundlage beraubt. In diesem Sinne stünde das Eisen stellvertretend für technologischen Fortschritt, Wissenschaft und Rationalität, die den Menschen immer stärker aus der ursprünglichen Einheit und Harmonie mit der ihn umgebenden Natur herausfallen lassen.

Die andere Deutungsrichtung ist mehr religionssoziologisch orientiert. Als symbolische Vertreter früher matriarchaler, d.h. von der Verehrung der „Großen Mutter“ geprägter, Religionen und Kulturen seien die Elfen, so wird angenommen, im Lauf der menschlichen Entwicklung vom männlichen Intellekt und der patriarchalen Gottesvorstellung unterworfen und letztlich ausgelöscht worden. Das „weibliche Prinzip“ musste dem eisernen Schwert des Mannes weichen, der rücksichtslos seine Vorstellungen von der Beherrschung und Manipulation der Welt durchgesetzt hat. In dieser Sichtweise ist die Antipathie der Elfen gegen Eisen Ausdruck eines Kampfes zweier fundamental verschiedener Religions- und Gottesauffassungen.

Wie viel symbolische Bedeutungen man tatsächlich aus den Feen- und Elfenmärchen herauslesen kann, ist natürlich eine schwierige Frage, die auch die Wissenschaft vermutlich niemals abschließend wird beantworten können. Auf alle Fälle sind die tief verwurzelten Überzeugungen des Volksglaubens, der sich seinerseits in einem ständigen kreativen Wandlungsprozess und Austausch mit den sich verändernden Lebensbedingungen der Menschen befindet, für jeden Fantasy-Autor eine stete und unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Und zumindest in der Fantasy sind die Elfen und Feen, allen eisernen Schwertern zum Trotz, immer noch sehr lebendig.

Die Elfen und der Terminator

Wächter des Elfenhains-cover-miniVor ein paar Tagen fragte mich ein Leser, ob mir denn aufgefallen sei, dass „Wächter des Elfenhains“, was das Grundsetting der Geschichte angeht, eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den Terminator-Filmen habe. Das war eine interessante Frage, da ich bei der Beschreibung des Antagonisten tatsächlich des öfteren das Bild des T-1000 vor Augen hatte, wie er gerade in vollem Spurt die Straße entlangrast, um John Connor auf dem fliehenden Motorrad zu erwischen. Mir war von Anfang an klar, dass Ogaire, der Bösewicht der Geschichte, sehr bedrohlich und unerbittlich wirken musste, vor allem, da er nur in einer Handvoll Szenen überhaupt mitspielt. Umso wichtiger war es, dass seine Präsenz in der Handlung für den Leser intensiv spürbar sein musste.

Durch meine Darstellung dieser Figur Assoziationen zu den Terminator-Filmen zu erzeugen, lag da tatsächlich nahe, denn bei kaum einer anderen Geschichte ist die Bedrohung des Protagonisten durch den Bösewicht derart schnörkellos und mit einer solchen Wucht inszeniert worden. Der T-1000 hat ein klares Ziel, das er kompromisslos verfolgt, und der gesamte Rest der Geschichte ordnet sich dieser Kompromisslosigkeit unter. Das gleiche Gefühl sollten auch die Leser des „Wächter des Elfenhains“ haben, wenn es um Ogaire ging. Von daher hatte mein Leser durchaus recht mit seinem Eindruck. Auch das Grundsetting selbst ist durchaus mit den Terminator-Filmen zu vergleichen: Ein jugendlicher Protagonist, der mit seiner Mutter auf der Flucht vor seinem Vater ist, der ihn erbarmungslos jagt und sich dabei nicht scheut, über Leichen zu gehen.

Was natürlich deutlich über dieses Grundsetting hinausgeht, ist der ganze Aspekt mit dem Elfenhain und der Anderswelt. Gerade die Suche Andions nach seiner eigenen Identität mitsamt der Konflikte, die sich daraus für ihn ergeben, war für mich eine zentrale Motivation, die Geschichte zu schreiben. Hier zeigt sich dann doch, dass ein Roman weitaus mehr Möglichkeiten bietet als ein Film, die Entwicklung einer Figur zu beschreiben, und hier enden auch die Gemeinsamkeiten zwischen dem „Wächter des Elfenhains“ und dem „Terminator“. Dennoch empfinde ich es als ein Kompliment, wenn sich die Leser bei ihrer Lektüre des Romans hin und wieder an Arnie und den guten alten T-1000 erinnert fühlen.

Die Gambler-Mutation

Während ich den Gambler-Zyklus konzipiert habe, habe ich mir eine Menge Gedanken zu den biologischen Hintergründen der Gambler-Mutation gemacht. Ein Teil dieser Überlegungen floss in einen Artikel eines fiktiven Wissenschaftsmagazins ein – geschrieben und veröffentlicht von niemand Geringerem als dem Gambler-Experten schlechthin: Sherman Hewitt.

Ursprünglich hatte ich geplant, alle Aspekte der Gambler-Mutation auf diese Weise aufzuarbeiten, doch leider haben mir die Anforderungen meines Berufsalltags nicht mehr die Zeit dazu gelassen. Zudem sind die Darstellungen inzwischen womöglich nicht mehr alle auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, da zwischen der Planungsphase und der Veröffentlichung doch einige Jahre ins Land gegangen sind, aber in den Grundzügen dürfte das Material nach wie vor stimmig sein.

Für alle, die neugierig geworden sind, hier nun Sherman Hewitts Artikel als Download:

Hewitts_Artikel

Große Elfen oder kleine Feen?

Wächter des Elfenhains-cover-miniAls ich den Roman in der Planungsphase hatte, war mir eines völlig klar: Ich wollte eine Geschichte mit handtellergroßen, zierlichen Feenwesen schreiben. Doch als ich mit dieser Idee in das Brainstorming mit meinen beiden wichtigsten Probelesern ging, erwartete mich völlig überraschend heftiger Gegenwind. Kleine Feen seien doch zu märchenhaft (den wahren Wortlaut übergehe ich an dieser Stelle lieber) und nicht für eine ernst zu nehmende Geschichte geeignet. Zunächst einmal schweren Herzens schwenkte ich dann also auf die Darstellung menschengroßer Elfen um, doch es nagte lange Zeit an mir, dass ich mir meine ursprüngliche Idee hatte ausreden lassen.

Zum Glück ist es mir trotzdem gelungen, auch beim „Wächter des Elfenhains“ die Freude beim Schreiben zu finden, die mich überhaupt erst dazu motiviert, Geschichten zu Papier zu bringen. Es ist zwar nicht die Geschichte, die ich ursprünglich hatte erzählen wollen, doch durch die wohlvertraute Eigendynamik der Figuren wurde eine wirklich nette Story daraus – obwohl, wie ich zugeben muss, die besonders anfangs vorherrschende düstere Atmosphäre wohl meiner Trauer um die verloren gegangene Idee zuzuschreiben ist.

Und heute kann ich selbstbewusst sagen: Die Geschichte mit den zierlichen Feenwesen befindet sich noch in der Warteschleife. Aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben.

Professor Sherman Hewitt

Der Professor hat in der Geschichte im Grunde zwei Funktionen. So sollte er etwa den Typ Wissenschaftler verkörpern, der die Balance zwischen Menschlichkeit und wissenschaftlicher Neugier nicht immer überzeugend halten kann. Seine andere Rolle war jedoch wichtiger. Da es sich um eine militärisch geführte Station handelt, hätte es für den Captain kaum Gelegenheiten für gute Konflikte gegeben, denn die starre Befehlshierarchie lässt dafür, zumindest in so hohen Dienstgraden, kaum Spielraum. Weil aber schnell feststand, dass Captain Elaine Wilding eine Figur mit starker Präsenz werden musste, da ich einen Charakter brauchte, der, anders als Danny, alle Hintergründe und Implikationen auch auf politischer und sozialer Ebene kennt oder kennenlernt, wollte ich ihr eine Figur zur Seite stellen, an der sie sich reiben kann. Ein Zivilist, noch dazu ein Wissenschaftler, der manchmal dazu neigt, seinen eigenen Mangel an Mitgefühl auf andere zu projizieren, war für diese Rolle perfekt geeignet.

Die Hewitts

Es war von Anfang an klar, dass die Erde angegriffen werden sollte, schließlich musste ich eine Bedrohung inszenieren, die Danny auf den Plan ruft, aber es war gar nicht so einfach, eine fremde Rasse zu erfinden, die nicht allem gleicht, was man nicht schon dutzendmal gesehen oder gelesen hat. Da die Geschichte nicht auf einen Genozid hinauslaufen sollte, wollte ich eine Rasse, die aus reinem Instinkt handelt und nicht etwa auf Eroberung aus ist.

Außerdem sollte es keine Raumschlachten nach dem bekannten Schema Schiff kämpft gegen Schiff geben. Im Grunde fragte ich mich, wie ich Dannys besondere Fähigkeiten bis an ihre Grenze fordern könnte, und so wurde der Schwarm geboren, dessen Abwehr eigentlich vom Prinzip her ein komplexes, höchst dynamisches Tontaubenschießen erfordert, zu dem normale Menschen eben nur bedingt in der Lage wären.

Eine Frau als Captain

Ich muss zugeben, dass ich in den Captain eine Menge Herzblut investiert habe. Häufig spürte ich zu meinen männlichen Charakteren eine tiefere Verbindung als zu den weiblichen, Elaine ist jedoch eine Ausnahme. Eigentlich sollte sie anfangs nur deshalb eine Frau sein, weil Danny mit Thad Thornsburg bereits einen starken männlichen Gegenspieler besaß, und ich wollte keine Überfrachtung mit männlichen Figuren. Doch je mehr ich mich mit ihr befasste, desto mehr mochte ich sie. Sie entwickelte sich schnell zu einer Figur mit einem starken Willen und war ein toller Charakter für konflikthafte Dialoge. Ihre kraftvolle, energische Art empfand ich auch als erfrischend, da sie eben trotz allem eine Frau ist und deshalb ganz anders wirkt als ein Mann in der gleichen Position. Gerade Konflikte werden zwischen zwei Männern anders ausgetragen als zwischen einem Mann und einer Frau, und so hat es mir wirklich Spaß gemacht, die Szenen mit ihr zu schreiben.

Störrische Nebencharaktere

Bei der Aufstellung der Nebenfiguren entwickelten einige von ihnen klare Vorstellungen davon, auf welcher Seite sie stehen wollten, und die deckten sich gar nicht mit meiner Planung. So sollte es eigentlich Valerie Haver sein, die zusammen mit Mady auf Dannys Seite steht, während Jenn und Ellie gegen ihn opponieren. Doch als ich die erste Szene mit den vier Mädchen schrieb, in der sie von der Akademie zur Erdorbitalstation hinaufgeflogen werden, wurde schnell klar, dass Val und Mady ganz und gar nicht harmonierten, während Jenn mit ihrer lockeren Art durchaus gut zu Mady passte. Daher entschied ich mich dafür, den Figuren ihren Willen zu lassen, und letztlich war das zweifellos die richtige Entscheidung. Heute kann ich es mir selbst kaum noch anders vorstellen.

Zur Grundidee des Gambler-Zyklus

Die Idee zum Gambler-Zyklus kam mir, als ich im Fernsehen eine Szene sah, bei der eine Flugzeugcrew einen Angriff auf ein vorher festgelegtes Ziel durchführte. Ich weiß leider nicht mehr, welche Sendung es genau war, aber letztlich ist das auch nicht mehr wichtig. Ich erinnere mich jedoch genau, dass ich von der eingespielten Effizienz des Teams fasziniert war, und so entstand in mir der Wunsch, auch über ein solches Team zu schreiben. Da die Geschichte natürlich auch konflikthaft sein sollte, entschied ich schnell, dass das Team nicht von Anfang an gut funktionieren durfte, sondern erst zusammenwachsen musste, und es lag nahe, die Gründe für die Anfangsschwierigkeiten in den Protagonisten Danny zu projizieren. Er sollte ein Außenseiter sein, jemand, dem man nicht gleich vertraut, auf den man jedoch im höchsten Maße angewiesen ist. Daher wurde Danny zu einer Person mit besonderen Fähigkeiten und wurde gleichzeitig von dem schlechten Ruf seiner Leute verfolgt.

Wie entstand die Grundidee?

Fantasy warrior woman attack with fire chains action illustration.Es hat schon häufig Fantasy-Geschichten gegeben, in denen ein prophezeiter Held die Welt vor der sicheren Zerstörung retten musste. Je nach Zielsetzung des Autors gelang ihm dies oder auch nicht, eines jedoch ist jenen Geschichten stets gemein: Der Held ist nicht allein unterwegs, sondern stützt sich bei der Erfüllung seiner Mission auf Kameraden, die ihn begleiten, ihm helfen und oft sogar beschützen.
Nur selten erfahren jene Figuren jedoch große Anerkennung oder Aufmerksamkeit, und man könnte sogar den Eindruck gewinnen, ihr höchst möglicher Lohn bestünde darin, sich in einem letzten Akt der Ergebenheit für den Helden zu opfern. Diese „Randfiguren“ besitzen schon seit langem meine Sympathie, und letztlich wurde daraus der Wunsch geboren, eine Geschichte zu schreiben, in der nicht der prophezeite Held, sondern sein Begleiter und Beschützer im Mittelpunkt steht.
Daher ist der Roman „Shaans Bürde“ so konzipiert, dass Shaan über lange Zeit allein die Handlung trägt, während Deleja bis zum Schluss über die tatsächlichen Vorgänge im Unklaren ist und letztlich nur einen einzigen Kampf ausfechten muss, wohingegen Shaan über die gesamte Geschichte hinweg den mörderischen Zielen der Gegenseite Widerstand leisten muss.

Wie wurde die Hauptfigur (Shaan) konzipiert?

Fantasy warrior woman attack with fire chains action illustration.Nachdem ich die Entscheidung gefällt hatte, Shaan in den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen, musste ich mir überlegen, wie ich seine Figur so gestalten kann, dass sie im Verlauf des Romans einer maximalen Zerreißprobe ausgesetzt sein wird. Da der Hauptteil der Geschichte in einer vergleichsweise großen Stadt spielt, lag es nahe, Shaan in völliger Abgeschiedenheit aufwachsen zu lassen, damit Unwissenheit und fehlende Erfahrungen sein Tun erschweren und seine Handlungsmöglichkeiten einschränken, denn andererseits ist er, da er – mit Ausnahme der Shai’yinyal – der einzige ist, der über magische Kräfte verfügt, jedem, dem er auf seinen Reisen begegnet, bei weitem überlegen. Durch seine Unerfahrenheit im sozialen Bereich wird diese Überlegenheit bereits aufgeweicht, doch das genügte mir noch nicht. Shaan sollte noch ein weiteres Handikap bekommen – und dieses war sein Vater. Durch dessen Ablehnung und harsche Erziehung verlor Shaan jegliches Vertrauen in sich selbst, sodass er trotz all seiner Macht niemals sicher sein konnte, ob er diese in einer Gefahrensituation auch richtig einsetzt. So wurde er zu einem Helden, der sich selbst so gar nicht heldenhaft fühlte.

Wieso gibt es Regeln für den Kampf?

Fantasy warrior woman attack with fire chains action illustration.Schon öfters wurde ich gefragt, wieso der Kampf zwischen Shaan und seiner Widersacherin überhaupt so strengen Regeln unterliegt. Ein Grund dafür liegt in der Natur der Geschichte: Da die Mächte des Guten und des Bösen schon so lange nicht mehr direkt in der Welt präsent waren, wäre es nicht stimmig gewesen, wenn ihre Existenz im Verlauf des Kampfes wieder allen gewahr werden würde, daher zwingen die Regeln den Kampf ins Verborgene.
Der zweite und wichtigere Grund liegt allerdings in der Konzeption der Hauptfigur: Shaan sollte ein Mensch sein, der sich selbst gar nichts zutraut, schon gar nicht, dass er in der Lage ist, die Welt zu retten. Diese Bürde wäre für ihn jedoch erheblich leichter zu tragen gewesen, wenn es viele Menschen gegeben hätte, die von dem bevorstehenden Kampf gewusst hätten, denn dann hätte er auf die Hilfe und Unterstützung anderer zurückgreifen können. Die Regeln des Kampfes jedoch verhinderten dies und so blieb Shaan mit der Verantwortung für das Schicksal der Welt völlig alleingelassen.
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Susanne Gavénis

Susanne Gavénis

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